Offener Brief übt scharfe Kritik am Wiederaufbau der Garnisonkirche
Über 100 Kritiker schreiben Bundespräsident Steinmeier

Offener Brief übt scharfe Kritik am Wiederaufbau der Garnisonkirche

Der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche zählt zu den umstrittensten Bauprojekten in Deutschland. Jetzt flammt neuer Widerstand auf: Ein Offener Brief an den Bundespräsidenten fordert drei konkrete Änderungen am Projekt.

Potsdam - 19.08.2019

Mehr als 100 Künstler, Wissenschaftler, Architekten und Kirchenvertreter fordern in einem Offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Nachbesserungen beim Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche. Die bisherige "Abgrenzung nach rechts" bleibe "unzureichend und das vermittelte Geschichtsbild ausgesprochen problematisch", heißt es in der am Montag online veröffentlichten Stellungnahme.

Zu den Unterzeichnern gehören der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, der evangelische Pfarrer und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer, der Galerist Kasper König sowie die Architekten Matthias Sauerbruch und Philipp Oswalt.

Sie fordern drei Veränderungen an dem bereits begonnenen Projekt. So soll das 1991 gestiftete Glockenspiel mit seinen "revisionistischen, rechtsradikalen und militaristischen Widmungen" abgerissen werden. Zudem verlangen die Unterzeichner den "Verzicht auf die Nachbildung jeglichen Waffenschmucks bei der Rekonstruktion des Gebäudes". Außerdem sei eine veränderte Trägerschaft des Projekts sinnvoll, "welche nicht die Einheit von Kirche, Staat und Militär wiederbelebt. Anstelle der Repräsentanten aus Politik und Militär sollen zivilgesellschaftliche Initiativen treten, die sich für Menschenrechte und gegen Militarismus" einsetzen.

"Ursprung in rechtsradikalen Kreisen"

Das Wiederaufbauprojekt habe "seinen Ursprung in rechtsradikalen Kreisen. Die evangelische Kirche hat das Projekt zwar im Jahr 2005 übernommen und die Nutzungskonzeption verändert, doch bleibt die bisherige Abgrenzung nach rechts unzureichend", hieß es weiter.

Die Bürgerinitiative "Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche" fordert in einer weiteren am Montag veröffentlichten Onlinepetition, die sich den Angaben zufolge vor allem an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) richtet, einen Förderstopp und ein Moratorium für das Bauprojekt Garnisonkirche. Bis Montagmittag hatten 29 Personen diese Petition unterzeichnet.

Die bis 1735 errichtete Garnisonkirche war einer der bedeutendsten Bauten des norddeutschen Barock. Bekannt ist sie auch durch den sogenannten Tag von Potsdam am 21. März 1933. Damals trafen sich Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg an den Grabstätten der preußischen Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich des Großen. Das Gotteshaus wurde 1945 durch Bomben zerstört, die Ruine 1968 auf Veranlassung der DDR-Behörden gesprengt. In den kommenden Jahren soll der Turm in seiner äußeren historischen Form wiederentstehen und ein Versöhnungszentrum aufnehmen. Immer wieder gab es Proteste gegen das Projekt, etwa von der bundesweiten Initiative "Christen brauchen keine Garnisonkirche". (tmg/KNA/epd)