Architekt überzeugt: Garnisonkirche wird vollständig rekonstruiert
Seit 2017 läuft der umstrittene Wiederaufbau des Kirchturms

Architekt überzeugt: Garnisonkirche wird vollständig rekonstruiert

Der laufende Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche ist heftig umstritten. Der Architekt ist jedoch überzeugt, dass nach dem Turm auch das Kirchenschiff rekonstruiert werden wird. Die Menschen hingen sehr an Kirchengebäuden.

Potsdam - 26.04.2019

Der Architekt des umstrittenen Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche, Thomas Albrecht, ist überzeugt, dass ungeachtet aller Proteste auch das Kirchenschiff des Gotteshauses rekonstruiert wird. "Das kommt, ganz bestimmt", sagte Albrecht am Freitag in einem Interview der in Potsdam erscheinenden "Märkischen Allgemeinen Zeitung". Nach der Brandkatastrophe in der Pariser Kathedrale Notre-Dame habe man erneut erleben können, "wie sehr die Menschen an Kirchen hängen".

Wiederaufbau des Kirchturms läuft seit 2017

Bislang ist lediglich entschieden, den rund 90 Meter hohen Turm der Kirche in den kommenden Jahren in seiner äußeren historischen Form wiederaufzubauen. Mit dem überwiegend durch Spenden finanzierten Bau wurde im Oktober 2017 begonnen. Nach monatelangen Arbeiten am historischen Fundament wurde im Februar dieses Jahres in Gegenwart von Ehrengästen der erste Ziegelstein für den Turm gemauert. Ob im Anschluss an den Turm auch das Kirchenschiff wiederaufgebaut wird, ist dagegen noch unklar.

Die von 1730 bis 1735 errichtete Garnisonkirche war einer der bedeutendsten Bauten des norddeutschen Barock. In Erinnerung ist sie heute vor allem durch den "Tag von Potsdam" am 21. März 1933. Damals trafen sich Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg an den Grabstätten der preußischen Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. Die Begegnung verschaffte Hitler kurz nach seinem Amtsantritt große Unterstützung im nationalen Lager. Das Gotteshaus wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im April 1945 durch einen Bombenangriff der Alliierten zerstört, die Ruine 1968 auf Veranlassung der DDR-Behörden aus ideologischen Gründen gesprengt.

Architekt: Garnisonkirche nicht auf "Tag von Potsdam" reduzieren

Albrecht wandte sich dagegen, die Garnisonkirche auf den "Tag von Potsdam" zu reduzieren. "Ein Gebäude nicht mehr zu benutzen, nur weil Adolf Hitler mal dort gewesen ist, funktioniert nicht. Sonst wäre die Hauptstadt noch Bonn", so der Architekt. Auch der Bundestag sitze in Berlin heute in dem Gebäude, in dem Hitler Reichskanzler gewesen sei. „"Und es ist nicht nur Hitler in dieser Kirche gewesen, es gab viele andere wichtige Ereignisse, Bach war hier", betonte Albrecht.

Der Architekt verwies in dem Interview auch auf seinen eigenen Glauben: "Ich komme aus einer sehr katholischen Familie, bin fromm und religiös, war selber Ministrant, mein Vater war Historiker und hat auch am Vatikan gearbeitet. Mein Großvater war sogar Botschafter am Vatikan." Dass er nun den Turm der evangelischen Garnisonkirche wiederaufbauen dürfe, bedeute ihm aus diesem Grund "besonders viel". Albrecht betonte zudem seine Begeisterung für die zerstörte Pariser Kathedrale. "Ich war in den letzten fünf Jahren mindestens 30 Mal im Gottesdienst in Notre-Dame. Wenn ich in Paris bin, gehe ich jedes Mal um acht Uhr früh zur Messe, habe eine sehr enge Beziehung zu dieser Kirche", sagte er. (stz)