Eine große Bühne vor dem Fuldaer Dom in der Dämmerung, zwei große Plakate des Light up the Dom Festivals werden angestrahlt.
6.000 Teilnehmer bei Jugendfestival erwartet

Wie die Kirche in Fulda junge Menschen begeistern will

6.000 junge Gläubige werden am Sonntag auf dem Domplatz in Fulda erwartet: Dann findet das Jugendfestival "Light up the Dom" statt. Mitorganisatorin Bernadette Wahl erklärt im katholisch.de-Interview, was es mit dem Fest auf sich hat und wie die Kirche in Fulda versucht, junge Menschen zu begeistern.

Von Hannah Küppers |  Fulda - 31.08.2019

Vor einigen Jahren ist in Fulda ein überkonfessionelles Netzwerk mit dem Namen "All for one" entstanden, zu dem 16 Gemeinden aus Fulda und Umgebung gehören. Sie veranstalten regelmäßige Austauschtreffen und Jugend-Gottesdienste. Am Sonntag organisieren sie im Rahmen des 1275. Stadtjubiläums das "Light up the Dom -Festival". Bernadette Wahl ist Leiterin der Citypastoral in der Innenstadtpfarrei Fulda und Teil von "All for one". Ein Interview.

Frage: Was darf man sich unter dem Begriff "City-Pastoral" vorstellen? Was sind Ihre Aufgaben?

Wahl: Ich bin für Angelegenheiten im öffentlichen Raum der Stadt zuständig. Wir versuchen, als Kirche in unserer Innenstadt präsent zu sein. Wir haben zum Beispiel "Welcome-Teams" in den Kirchen, damit jemand ansprechbar ist. Die Teams  können Informationen über unsere Gemeinde weitergeben, wenn die Leute durch die Kirche schlendern. Außerdem gehen wir in Kneipen und durch die Stadt, um dort als Kirche ansprechbar zu sein. Wir wollen auch versuchen, die verschiedenen katholischen Träger in Fulda zu vernetzen. Dazu gehört unsere Arbeit mit "All for One" – einem Netzwerk, das mein Vorgänger Björn Hirsch vor einigen Jahren gegründet hat.

Frage: Wer gehört zu "All for One" und welche Idee steckt dahinter?

Wahl: "All for One" hat sich nach der Gründung zu einem Verein entwickelt, zu dem 16 Gemeinden verschiedener christlicher Konfessionen gehören. Von katholischer Seite sind das unsere Innenstadtpfarrei, die KJF Fulda und die Ordensgemeinschaft der Missions-Oblaten. Hinzu kommen einige evangelische Gemeinden und Freikirchen. Seit 2015 feiern wir zwei Mal im Jahr große Jugend-Gottesdienste in der Esperanto-Halle in Fulda, wo sonst Oktoberfeste oder Comedy-Shows stattfinden. Es gibt eine große Band, Musik, einen Impulsvortrag und Segnungen. Das soll ein erster Kontaktpunkt für junge Menschen sein, die die Kirche ein bisschen altbacken finden – um diese Vorstellung mal aufzubrechen.

Bernadette Wahl ist für die City-Pastoral der Innenstadtpfarrei Fulda zuständig. Sie wirft auf dem Bild buntes Konfetti in die Luft.

Bernadette Wahl ist für die City-Pastoral der Innenstadtpfarrei in Fulda zuständig.

Frage: Was passiert nach den Gottesdiensten?

Wahl: Nach dem sogenannten B.A.S.E.-Gottesdienst kann man sich direkt für Glaubenskurse anmelden. Der Kurs findet dann über einen Zeitraum von zehn Wochen wöchentlich statt und ist an den sogenannten Alpha-Kurs angelehnt, bei dem Grundlagen des christlichen Glaubens vermittelt werden. Wir treffen uns abends in einem Lokal hier in Fulda, tauschen uns aus und hören einen Impuls zu Fragen wie "Was ist unser christlicher Glaube? Was stellen wir uns eigentlich unter Gott vor? Wie funktioniert Gebet?". Wir wollen jungen Menschen die Kirche und den Glauben auf etwas andere Art und Weise näherbringen.

Frage: Ist das denn nicht eine Konkurrenz für die traditionellen Gemeinden?

Wahl: Natürlich gibt es Leute, die sich in ihrer Kirchengemeinde nicht wohl fühlen und deshalb lieber zu "All for one" gehen, weil sie dort viele andere junge Menschen treffen. Das ersetzt aber keine eigene Gemeindemitgliedschaft. Wir wollen kein Gemeindeersatz sein. Wir sind ein Netzwerk, das über die Gemeinden hinausgeht. Es passiert nämlich auch, dass Leute, die auf unserer Veranstaltung sehen, wie jung und frisch Kirche sein kann, wieder den Draht zu ihren eigenen Gemeinden suchen, den sie vorher verloren hatten. Es ist uns wichtig, dass keine neue, transkonfessionelle Kirche entsteht. Wir vernetzen uns und freuen uns an der Andersartigkeit der anderen Gemeinden. Die Freikirchen zum Beispiel haben coole Musik. Dafür bringen wir zum Beispiel eine reiche Tradition der Heiligen und Kirchenväter mit. Wir wollen einander bereichern und ermutigen.

Acht Personen, die Veranstalter des Light up the Dom Festivals in Fulda, halten ein großes Werbeplakat des Festival in die Höhe.

Der Bürgermeister von Fulda mit den Kooperationspartnern und Veranstaltern des Festivals.

Frage: Dennoch kann man gewisse Unterschiede nicht leugnen  – entstehen nicht immer wieder auch Konflikte zwischen den Konfessionen?

Wahl: Ich bin selbst wirklich überrascht, wie gut es funktioniert. Damit hätte ich nicht gerechnet. Natürlich gibt es immer mal wieder Themen, wo wir unterschiedlicher Meinung sind. Da, wo wir von Reizthemen wissen, versuchen wir aber, uns in geschwisterliche Liebe zurückzuhalten und nicht so sehr auf die Unterschiede zu schauen. Auch im Leitungsteam zur Vorbereitung unseres großen, gemeinsamen Festivals am Sonntag haben wir viel diskutiert. Es kamen kritische Fragen auf: Wann wird ein Segen gespendet? Wer darf segnen? Was ist liturgisch angebracht? Welche Vertreter der verschiedenen Konfessionen wollen wir dabei haben? Aber wir haben eine unglaublich reife Diskussionskultur, in der ich gerne arbeite.

Frage: Was hat es mit dem Festival auf sich?

Wahl: Die Stadt Fulda feiert ihr 1275. Stadtjubiläum und vor dem Dom ist eine große Bühne aufgebaut. Der Oberbürgermeister ist vor einiger Zeit auf uns zugekommen, um zu fragen, ob wir nicht am letzten Tag einen Open-Air-Gottesdienst feiern wollen. Da haben wir nicht nein gesagt. Neben unserer netzwerkeigenen Band "One Collective" treten mehrere christliche Bands auf und es wird einen Vortrag von Johannes Hartl vom Gebetshaus aus Augsburg geben. Tagsüber findet auf dem Domplatz Kinderprogramm und ein Streetfood- und Handcraft-Markt statt. Wir erwarten ungefähr 6.000 Besucher.

Von Hannah Küppers