Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
Bild: © KNA
Es gebe viele Themen, die man in Deutschland ändern könne

ZdK-Präsident Sternberg weist Kardinal Woelkis Spaltungsvorwurf zurück

Der "synodale Weg" spalte die Kirche - diese Befürchtung hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. ZdK-Präsident Thomas Sternberg weist das zurück: Niemand strebe eine Nationalkirche an. Doch für einige Fragen müsse man dringend vor Ort Lösungen suchen.

Münster - 04.09.2019

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, kann die Befürchtungen des Kölner Erzbischofs, Rainer Maria Woelki, bezüglich des synodalen Wegs nicht nachvollziehen. "Ich verstehe die Äußerungen von Kardinal Woelki nicht. Es ist nie die Rede davon gewesen, einen deutschen Sonderweg als Nationalkirche zu beschreiten", sagte Sternberg am Mittwoch in einem Interview mit dem Bistumsportal "kirche-und-leben.de". Woelki hatte sich gegenüber der Kölner "Kirchenzeitung" darüber geäußert, dass der "synodale Weg" zur Erneuerung der Kirche "große Gefahren in sich birgt - vor allem mit Blick auf eine Spaltung innerhalb der deutschen Kirche".

"Wir leben selbstverständlich in einer Weltkirche, und niemand strebt etwas anderes an", so der ZdK-Präsident weiter. Aber es gebe Themen, die durchaus in und für Deutschland geändert werden könnten. Deshalb sollte beispielsweise die Priesterweihe von Frauen offen diskutiert werden. Sternberg betonte, dass mit den Beschlüssen nicht sofort Tatsachen geschaffen würden: "Niemand wird ernsthaft glauben, dass ab nächstem Jahr Frauen zu Priestern geweiht werden." Stattdessen seien sie Teil eines Prozesses. Zudem gehe es auch um andere Fragen, etwa warum ausgebildete Theologinnen nicht in der Messfeier predigen dürfen oder ob Frauen Mitglieder in den deutschen Domkapiteln werden können.

Die Umsetzung der Ergebnisse des "synodalen Wegs" liege weiterhin bei den Bischöfen. Er halte es deshalb für möglich, dass "24 Diözesen einen Beschluss umsetzen – und drei nicht. Ich glaube, man lässt sich besser auf einen Flickenteppich ein, als auf die Einstimmigkeit in allen Fragen zu setzen." Der "synodale Weg" dürfe trotzdem kein reiner Gesprächsprozess sein, da die Gläubigen verunsichert und unzufrieden seien und die lange Dauer bei Reformen in der Kirche nicht nachvollziehen könnten. "Die Zeiten sind vorbei, als Konservative und Progressive sich gegenüberstanden und aufeinander einprügelten, die Unruhe ist bei den Treuesten", so Sternberg.

Kardinal Woelki hatte sich am Mittwoch nach einer USA-Reise skeptisch zum "synodalen Weg" geäußert. In seinen Begegnungen mit Klerus und Gläubigen habe er dort die Sorge vor einem deutschen Sonderweg gespürt, "dass wir schlimmstenfalls sogar die Gemeinschaft mit der Universalkirche aufs Spiel setzen und zu einer deutschen Nationalkirche werden". Dies sollte man in Deutschland als Warnung sehr ernst nehmen, so der Kardinal. Auch die US-amerikanische Kirche habe mit ähnlichen Fragestellungen umzugehen, doch würde man dort keine Antworten "in Form eines nationalen Alleingangs oder einer theologischen Selbstüberschätzung" suchen. (cst)