Parteibanner der AfD
Staat kenne keine Barmherzigkeit, nur Interessen

AfD-Vertreter: Nächstenliebe ist auf Deutschland begrenzt

Der barmherzige Samariter habe sich um einen bedürftigen Menschen gekümmert, den er am Wegesrand gefunden hatte, sagt der Vorsitzende der "Christen in der AfD". Daraus leitet er ab, dass "Nächstenliebe keine Fernstenliebe" sei.

Berlin - 08.09.2019

Joachim Kuhs (63), Vorsitzender der "Vereinigung Christen in der AfD", sieht die christliche Forderung der Nächstenliebe grundsätzlich begrenzt auf Deutschland. "Die Nächstenliebe ist keine Fernstenliebe; es geht dabei um den, der mir am nächsten ist", sagte der Abgeordnete des Europaparlaments dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstag). Im biblischen Gleichnis habe sich der barmherzige Samariter um jenen gekümmert, dem er auf seinem Weg begegnete. "Für mich geht es daher zuerst um die Menschen in meiner Stadt."

"Wir als Christen haben die Verantwortung und die Verpflichtung, uns um Hilfsbedürftige und Flüchtlinge zu kümmern, sie aufzunehmen und zu versorgen. Soweit sie Gott vor unsere Füße legt", erläuterte der anglikanische Christ. "Aber ich habe sicher nicht die Pflicht, nach Afrika zu fahren und mich dort um sie zu kümmern."

Christliche Nächstenliebe dürfe man auch nicht dem Staat aufbürden, fügte Kuhs hinzu. "Der Staat weiß nichts von Barmherzigkeit, er hat Interessen. Er muss nicht alle, die in seinen Bereich kommen, mit christlicher Nächstenliebe beglücken. Nur Personen oder Kirchen können das tun."

Nach Einschätzung von Kuhs sind 90 Prozent der Menschen, die aus Syrien oder Nordafrika fliehen, nicht in einer Notlage. "Die haben Geld, um Schleuser zu bezahlen, und geben sich hier als Flüchtlinge aus. Manche machen ja auch Heimaturlaub in Syrien, so schlimm kann es dann nicht sein." Wichtig sei aber, die Situation der Menschen in den Herkunftsländern und den Auffanglagern in den direkten Nachbarländern zu verbessern. Die Flüchtlingskrise von 2015 sei auch durch Streichung von Geldern für die UNHCR-Lager in Libanon und Jordanien ausgelöst worden.

Anders sei es bei Iranern, die zum Christentum übergetreten sind, sagte Kuhs. "Denen droht tatsächlich der Tod", so der gelernte Rechtspfleger. "Die Christen aus Iran müssen hierbleiben, die dürfen wir nicht zurückschicken." (KNA)