Erzbischof Hans-Josef Becker
Paderborns Oberhirte nennt "Faustregeln" für Reformprozess

Erzbischof Becker über "synodalen Weg": Ich will keine Spaltung

"Als Bischof stehe ich im Dienst der Einheit und ich kann wenigstens für mich sagen: Ich will keine Spaltung": Erzbischof Hans-Josef Becker äußert sich zum "synodalen Weg" – und stellt "Faustregeln" dafür auf.

Paderborn - 18.09.2019

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker mahnt dazu, beim anstehenden "synodalen Weg" auf die Einheit der Kirche zu achten. "Als Bischof stehe ich im Dienst der Einheit und ich kann wenigstens für mich sagen: Ich will keine Spaltung", sagte Becker laut einer Mitteilung des Erzbistums Paderborn am Mittwoch. "Wir gehören zusammen, sind geschwisterlich im Glauben aufeinander verwiesen und dürfen erst gar nicht damit anfangen, wenn uns etwas am Gegenüber nicht passt, anderen das Katholisch-Sein oder gar den Glauben abzusprechen." Pluralität und Meinungsvielfalt schade dem kirchlichen Leben nicht, sie fördere vielmehr die Lebendigkeit einer Gemeinschaft und habe auch das Potenzial, zur Vergewisserung und Stärkung des je persönlichen Glaubens beizutragen, so Becker.

Weiter sprach sich der Erzbischof für "ein paar Faustregeln" aus, die bei der Sorge um den Erhalt von Einheit trotz Vielfältigkeit und möglicher Meinungsverschiedenheiten helfen könnten. Dazu gehöre zuallererst, dass "das Gespräch miteinander" dem "vorschnellen Abwinken" immer vorzuziehen sei. Auch sei wichtig, "stets die jeweils andere Seite zu hören und ernst zu nehmen, ob die des Bischofs oder die einer engagierten Verbandsvorsitzenden". Keine Perspektive dürfe außer Acht gelassen werden, so Becker. "Immer wieder haben wir uns die Frage zu stellen, ist auch wirklich alles hinreichend bedacht." Außerdem erfordere vieles im Leben Geduld, "die auch mir manchmal schwer fällt, selbst wenn manches einfach Zeit braucht".

"Gefahr, für die Zukunft mehr zu verlieren als zu gewinnen"

Der Erzbischof zeigte sich zuversichtlich, dass die anstehenden Gespräche und Debatten um die Zukunft der Kirche in Deutschland einen guten Verlauf nehmen können. Viel hänge unter anderem von einer "zielgerichteten Organisation und intensiven Vorbereitung" ab. "Was wir sicher gebrauchen können, ist Mut genauso wie gegenseitiges Vertrauen." Die Kirche stehe "vor großen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam und in enger Verbindung mit Gott bestehen können", so Becker. "Ohne den aufrichtigen Willen zum Zusammenhalt laufen wir Gefahr, für die Zukunft mehr zu verlieren als zu gewinnen."

Bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen hatten die deutschen Bischöfe als Reaktion auf den Missbrauchsskandal einen "verbindlichen synodalen Weg" beschlossen. Themen des Dialogprozesses sind Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. In einem Brief vom 29. Juni äußerte sich Papst Franziskus zu dem Vorhaben und versicherte seine Unterstützung, mahnte aber zugleich zum Blick auf die Weltkirche und auf das Thema Evangelisierung. Bei einem Vorbereitungstreffen für den "synodalen Weg" am vergangenen Wochenende antworteten Vertreter von Deutscher Bischofskonferenz (DBK) und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in einem gemeinsamen Brief an Papst Franziskus. (tmg)