Buch zum Film "Die zwei Päpste" erschienen

Autor: Entschluss zum Rücktritt Benedikts XVI. bereits 2010 gereift

Aktualisiert am 25.09.2019  –  Lesedauer: 
Papst Bendikt XVI. und Kardinal Bergoglio
Bild: © Netflix

Bonn ‐ Wollte Benedikt XVI. schon 2010 zurücktreten? Welche "Sünden" hat Jorge Bergoglio während der argentinischen Militärdiktatur begangen? Und war Franziskus der Wunschkandidat Benedikts? Das Buch zum Film "Die zwei Päpste" bietet neue Thesen.

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Zum Spielfilm "Die zwei Päpste", der Ende November beim Streaming-Anbieter Netflix erscheint, gibt es jetzt auch ein gleichnamiges Sachbuch. Es erscheint an diesem Mittwoch im Verlag Diogenes (Zürich). Verfasser ist der irischstämmmige Neuseeländer Anthony McCarten, der als Theaterschriftsteller und Drehbuchautor bekannt wurde und im Vorjahr mit dem Drehbuch für den Musikfilm "Bohemian Rhapsody" einen weltweiten Erfolg hatte.

McCarten beschreibt in "Die zwei Päpste", wie 2005 Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde und warum der damals zweitplatzierte argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio acht Jahre später als Sieger aus dem Konklave hervorging. Das Buch stützt sich überwiegend auf bekannte Sekundärliteratur, bietet aber einige neue Thesen zu der kirchengeschichtlich einmaligen Situation des friedlichen Nebeneinanders zwischen einem amtierenden und einem freiwillig abgedankten Papst.

Zum überraschenden Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2013 äußert McCarten die Vermutung, dass der Entschluss bereits im Jahr 2010 gereift sei. Damals geriet der deutsche Papst ins Zentrum von Beschuldigungen, als Erzbischof von München und Freising (1977-1981) einen Priester in der Seelsorge eingesetzt zu haben, der zuvor als sexueller Missbrauchstäter aufgefallen war. Dieser Druck sowie mehrere Erfahrungen des Überfordertseins hätten den früheren Theologieprofessor zum Rücktritt bewegt.

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McCartens Thesen zu Papst Franziskus kreisen um das Bekenntnis des Argentiniers, dass er ein Sünder sei. Diese Sünden verortet das Buch im umstrittenen Verhalten des damaligen Jesuitenoberen Bergoglio während der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983). Wie viele Kirchenführer habe er damals "zwar niemanden getötet, aber auch niemanden gerettet". Carten stellt die Frage, "wie jemand mit einer solch wechselvollen Vergangenheit es schafft, ins höchste Amt der katholischen Kirche nachzurücken".

Den Schlüssel sieht McCarten in der zweijährigen "Bußzeit" in Cordoba (1990-1992), die Bergoglio nach seiner Absetzung als Jesuitenprovinzial als Beichtvater und einfacher Geistlicher verbrachte. Diese persönliche Krisenzeit, die in den meisten Bergoglio-Biographien ein dunkler Fleck ist, brachte aus Sicht des Autors die Wende, die den Geläuterten später befähigte, Erzbischof, Kardinal und schließlich Papst zu werden.

Bergoglio ein Wunsch Benedikts?

Dass Bergoglio im Konklave 2013 gewählt wurde, war letztlich, so eine weitere Spekulation McCartens, ein Wunsch von Benedikt XVI. Dieser konnte mit seinem Rücktritt gewissermaßen die andere, für Veränderungen offene Seite seiner eigenen, ambivalenten Persönlichkeit durch Bergoglio zum Zuge kommen lassen. Im Film "Die zwei Päpste" bringt Benedikt XVI. dies mit den Worten auf den Punkt: "Ich wollte in meinem Nachfolger die Korrektur meiner selbst erleben."

Der Film "Die zwei Päpste" feierte Ende August beim Telluride Film Festival im US-Bundesstaat Colorado Premiere und war anschließend auf dem Internationalen Filmfestival von Toronto (TIFF) zu sehen. In dem Drama verkörpert der britische Oscar-Preisträger Sir Anthony Hopkins Benedikt und der Brite Jonathan Pryce Kardinal Jorge Mario Bergoglio/Papst Franziskus. Der Film sei "inspiriert von wahren Begebenheiten", heißt es. Neben dem Streaming-Dienst Netflix soll das Drama auch in ausgewählten Kinos zu sehen sein. (tmg/KNA)