Eine Nahaufnahme der gefalteten Hände eines Franziskaners.
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Einsatz für eine "geschwisterliche Kirche"

Franziskanische Gemeinschaften unterstützen "synodalen Weg"

Es brauche eine Kirche, in der Männer und Frauen auf allen Ebenen ihre Charismen einbringen und Verantwortung übernehmen könnten: Die 6.500 Mitglieder starke Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft zeigt sich solidarisch mit dem "synodalen Weg".

Würzburg - 26.09.2019

Vertreterinnen und Vertreter aus franziskanischen Ordensgemeinschaften aus dem deutschsprachigen Raum begrüßen und unterstützen den von der deutschen Kirche geplanten "synodalen Weg". So heißt es in einer Erklärung der Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft (INFAG), wie die Pressestelle des Bistums Würzburg am Donnerstag mitteilte. Der INFAG mit ihren 58 Mitgliedsgemeinschaften und rund 6.500 Mitgliedern gehört unter anderen auch die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Schwester Katharina Ganz, an.

Von Franziskus und Klara von Assisi inspiriert stellten sich die Ordensgemeinschaften ihrer Verantwortung für Kirche, Gesellschaft und Bewahrung der Schöpfung, heißt es weiter. "Wir sind überzeugt, dass sich alles kirchliche Handeln, insbesondere der Umgang mit Macht, radikal an Jesus Christus und dem Evangelium orientieren muss." Daher setzten sie sich ein für eine geschwisterliche Kirche, in der Männer und Frauen auf allen Ebenen ihre Charismen einbringen und Verantwortung übernehmen.

Die deutschen Bischöfe hatten bei ihrer am Donnerstag zu Ende gegangenen Herbstvollversammlung in Fulda ihre Bereitschaft für den "synodalen Weg" bekräftigt. "Es gibt keine Stoppschilder aus Rom für den 'synodalen Weg' und wir werden daher weitergehen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, vor Journalisten. Man werde Rom kontinuierlich über den Prozess informieren. Die Oberhirten hätten die für den Prozess notwendige Satzung mitsamt einer Präambel mit großer Mehrheit verabschiedet, so Marx weiter. Nun muss auf Seiten der Laien noch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zustimmen. Der "synodale Weg" zu den Themen Macht, priesterliche Lebensform, Sexualmoral und die Stellung der Frau soll am ersten Advent beginnen.

Entsetzt angesichts fundamentalistischer Tendenzen in Kirche

Die Franziskanerinnen und Franziskaner zeigten sich entsetzt angesichts populistischer und fundamentalistischer Tendenzen in Kirche und Gesellschaft. Sie forderten Respekt gegenüber jedem Einzelnen, denn alle Menschen seien ein Ebenbild Gottes. Zugleich wehrten sie sich gegen die Diskriminierung von Menschen, "die anders leben, lieben oder glauben". Man sei sich bewusst, mit dieser Haltung in Spannung zur kirchlichen Morallehre zu stehen. Aber die Ordensleute seien bereit, Wege zu suchen, die daraus resultierenden Widersprüche in ihren eigenen Zuständigkeitsbereichen "im Sinne evangeliumsgemäßer Glaubwürdigkeit" zu überwinden.

Im Kontakt mit Schwestern und Brüdern in aller Welt erführen sie, welche verheerenden Auswirkungen der Lebensstil vor allem der reichen Länder schon heute besonders für die ärmeren Menschen habe, heißt es. Vor diesem Hintergrund wollten die Ordensleute verstärkt Maßnahmen ergreifen, ihre Klöster und Einrichtungen klimaneutral zu bewirtschaften.

Die INFAG wurde eigenen Angaben zufolge 1982 mit dem Zweck gegründet, das franziskanische Erbe in Kirche und Gesellschaft zu erhalten. Die Geschäftsstelle ist in Würzburg. Zuletzt hatte man sich vom 22. bis zum 26. September unter dem Motto "Die ist jetzt!" in Kloster Reute bei Bad Waldsee getroffen. (tmg/KNA)