Hans Küng beim ökumenischen Kirchentag 2010 in München.
Bundespräsident würdigt Schweizer Theologen

Steinmeier: "Respekt für und Verehrung von Hans Küng"

Als Fan des Theologen und Kirchenkritikers Hans Küng outete sich jetzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Küng sei "bleibendes Vorbild" und einer der beiden bekanntesten deutschsprachigen Geisteswissenschaftler, "die nicht Papst geworden sind".

Tübingen - 16.10.2019

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Wirken des katholischen Theologen Hans Küng gewürdigt. Küng habe nicht nur sein Fach für breite Kreise verständlich vertreten, er habe auch in engagierter Zeitgenossenschaft das politische und geistige Leben konstruktiv begleitet, sagte Steinmeier am Dienstagabend in Tübingen. Der Bundespräsident wörtlich über Küng: "Ein bleibendes Vorbild eines Universitätslehrers, der gleichzeitig engagierter Mitbürger ist."

Aus "Respekt für und Verehrung von Hans Küng" nahm Steinmeier nach eigenem Bekunden die Einladung an, in diesem Jahr die Weltethos-Rede zu halten. Der Theologe konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen, verfolgte sie aber nach Auskunft von seinem Nachfolger als Präsident der Stiftung Weltethos, Eberhard Stilz, in seiner Tübinger Wohnung per Livestream.

Der Bundespräsident zählte Küng zusammen mit dem Philosophen Jürgen Habermas "zu den beiden heute wohl weltweit bekanntesten lebenden deutschsprachigen Geisteswissenschaftlern, die nicht Papst geworden sind". Küngs Engagement für Frieden und Verständigung unter den Religionen sei für ihn im August in Lindau bei der Weltversammlung von Religions for Peace sichtbar geworden. "Hoffen wir alle zusammen, dass diese Saat weiter aufgeht."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Im Alltag vieler Gesellschaften sei Religion ein mächtiger Faktor, so Steinmeier. Dies gelte auch für die praktische Weltpolitik. Wer sich über ein Ethos des Zusammenlebens verständigen wolle, müsse sich mit der heutigen Gestalt von Religionen in ihrer kulturprägenden Wirkung befassen. Der Bundespräsident betonte, das akademische Leben des Schweizers sei ohne Tübingen nicht zu denken, "jene kleine, große Stadt, von der Walter Jens einmal sinngemäß gesagt hat: Köln hat eine Universität, Hamburg leistet sich eine Universität - Tübingen ist eine Universität." Es sei nicht zufällig, dass eine Konzeption wie die des Weltethos "ausgerechnet hier geboren wurde".

Seit 2000 lädt die von Küng gegründete Stiftung Weltethos zu den Reden in die Universität ein. Gekommen sind bislang unter anderen Kofi Annan, Tony Blair, Shirin Ebadi und Helmut Schmidt. Die Frage nach einem Weltethos geht auf Küngs Buch "Projekt Weltethos" zurück. Darin vertritt Küng die These, dass Religionen nur einen Beitrag zum Frieden leisten können, wenn sie sich auf einen Grundkonsens über Werte, Maßstäbe und Grundhaltungen besännen.

Hans Küng ist Schweizer Theologe, katholischer Priester und Autor. Er war von 1960 bis zu seiner Emeritierung 1996 Professor an der Universität Tübingen, zuletzt für Ökumenische Theologie. Bis März 2013 war er Präsident der von ihm mitgegründeten Stiftung Weltethos. Küng gilt als einer der bekanntesten Kirchenkritiker. Vor allem seine Kritik am Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit führte ein Jahr nach der Veröffentlichung seines Buches "Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit" 1979 aufgrund eines von Papst Johannes Paul II. gebilligten Erlasses der Glaubenskongregation zum Entzug seiner kirchlichen Lehrbefugnis durch die Deutsche Bischofskonferenz. (tmg/KNA)