Sarah und Turkson "herausragende Beispiele" für afrikanische Führungskräfte

Kardinal: Ein Afrikaner als Papst brächte Vorteile für die Kirche

Aktualisiert am 16.10.2019  –  Lesedauer: 
Kardinal: Ein Afrikaner als Papst brächte Vorteile für die Kirche
Bild: © KNA

Kapstadt ‐ Ist es Zeit für einen Papst aus Afrika? Die Ansicht vertritt Kardinal Wilfrid Fox Napier – und nennt etwaige Vorteile. Außerdem gebe es bereits "herausragende Beispiele" für afrikanische Führungskräfte: die Kardinäle Sarah und Turkson.

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Nach Ansicht von Kardinal Wilfrid Fox Napier (78) aus Durban wäre die katholische Kirche mit einem afrikanischen Papst gut für die Zukunft gerüstet. Ein Afrikaner an der Spitze des Vatikan könnte ähnlich wie Papst Franziskus gezielt auf die Probleme von Entwicklungsländern eingehen, sagte der Erzbischof im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Kapstadt. Bereits jetzt gebe es dort mit den Kurienkardinälen Robert Sarah oder Peter Turkson "herausragende Beispiele für afrikanische christliche Führungskräfte".

Einen Vorteil hätte ein afrikanischer Papst etwa in Familienfragen, meint Napier: "Ein Merkmal von afrikanischer Kultur und Lebensweise ist die hohe Stellung der Familie." Zudem seien afrikanische Geistliche von einer Vielzahl an Nationalitäten evangelisiert worden, darunter Deutschen, Iren, Briten und Italienern. "Wir haben viel von diesen Kulturen gelernt", so Napier. Auch brächte ein afrikanischer Papst nach seiner Einschätzung Verständnis für die Probleme in Entwicklungsländern mit. "Im Westen kann man heute so gut wie alles haben. Irgendeine komplizierte Krankheit? Ein Doktor dafür ist schnell gefunden. Die Menschen haben das Gefühl dafür verloren, dass ihr Leben von Gott abhängt - ganz anders als in Afrika", so Napier.

Papst aus Afrika würde auch auf Widerstand stoßen

Zugleich schätzt der Erzbischof von Durban, dass ein Papst aus Afrika zunächst auf Widerstand stoßen würde. "Was gerade mit Papst Franziskus passiert, ist ein Hinweis auf das, was passieren würde", sagte Napier mit Blick auf die Opposition aus konservativen katholischen Kreisen. "Dieselbe Reaktion gäbe es etwa auch auf einen asiatischen Papst. Wenn wir etwas nicht kennen, fühlen wir uns zu einem gewissen Grad bedroht."

Napier leitet seit 1992 die Erzdiözese Durban in Südafrika. Der Franziskaner gehört seit vielen Jahren zu den führenden und international renommierten Kirchenvertretern des südlichen Afrika. In Kokstad empfing er 1970 die Priesterweihe und wurde dort zehn Jahre später auch Bischof. 1992 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Erzbischof von Durban, als Nachfolger des berühmten Anti-Apartheid-Kämpfers Denis Hurley (1915-2004). 2001 wurde Napier Kardinal. Über viele Jahre war er auch Vorsitzender der Südafrikanischen Bischofskonferenz. (tmg/KNA)