Die Päpste und der Rosenkranz
Wie sich Benedikt XVI. und weitere Päpste zum Rosenkranzgebet äußerten

Die Päpste und der Rosenkranz

In vielen Pfarreien wird die Tradition des Rosenkranzgebetes noch rege gepflegt – vor allem im Oktober. Doch wie haben sich eigentlich die Päpste der jüngeren Vergangenheit zu diesem besonderen Gebet geäußert? Unser Autor Fabian Brand analysiert die entsprechenden Aussagen der Päpste seit Paul VI.

Von Fabian Brand |  Bonn - 20.10.2019

Der Oktober ist bekanntermaßen in besonderer Weise dem Rosenkranzgebet gewidmet. Der Rosenkranz ist ein Mariengebet, weil immer wieder der Gruß des Engels an Maria wiederholt wird: "Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade". Aber der Rosenkranz ist vor allem ein Christusgebet: In den einzelnen Geheimnissen werden besondere Ereignisse im Leben Jesu betrachtet und betend meditiert. Zusammengefügt mit der ständigen Wiederholung des Ave Maria kann man sagen: Im Rosenkranzgebet blickt man mit den Augen Mariens auf Jesus. Er ist die Mitte des Rosenkranzes und der gesamten Heilsgeschichte.

In vielen Pfarreien und Gemeinden wird die Tradition des Rosenkranzgebetes noch rege gepflegt. Vor allem auch die Päpste haben sich intensiv mit dieser Form des Gebetes auseinandergesetzt. Von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) zum Beispiel wird berichtet, er habe sich am Nachmittag mit seinen Sekretären zu einem Spaziergang in den Vatikanischen Gärten zurückgezogen, um den Rosenkranz zu beten. Auffallend ist, dass sich sehr viele Päpste in Predigten, Apostolischen Schreiben oder Enzykliken mit dem Rosenkranz beschäftigt haben. Es ist gut, diese Texte immer neu hervorzuholen und zu lesen. Denn vielfach steckt in ihnen ein großer geistlicher Schatz, der helfen kann, sich selbst neu mit dieser besonderen Gebetsform auseinanderzusetzen und sie vielleicht gerade im Oktober neu einzuüben.

Ein einfaches Gebet mit Schönheit und Tiefe

Benedikt XVI. hat dem Rosenkranz zwar kein eigenes Schreiben gewidmet, aber er hat sich zu unterschiedlichen Anlässen zu dieser besonderen Form des Gebetes geäußert und es den Gläubigen anempfohlen. In einer Meditation im Päpstlichen Heiligtum von Pompeji 2008 sagte der Papst: "Um Apostel des Rosenkranzes zu sein, muss man die Schönheit und die Tiefe dieses einfachen und jedem Menschen zugänglichen Gebets persönlich erfahren. Vor allem muss man sich von der Jungfrau Maria an der Hand führen lassen, um das Antlitz Christi zu betrachten: ein freudenreiches, lichtreiches, schmerzhaftes und glorreiches Antlitz. Wer wie Maria und gemeinsam mit ihr die Geheimnisse Jesu bewahrt und sie unermüdlich betrachtet, der macht sich seine Empfindungen immer mehr zu eigen und wird ihm ähnlich."

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Und auch Benedikt XVI. mahnte nachdrücklich, das Rosenkranzgebet nicht zu vernachlässigen, sondern es immer wieder zu pflegen: "Das Rosenkranzgebet ist keine Frömmigkeitsübung ist, die der Vergangenheit angehört, als sei es ein Gebet aus anderen Zeiten, an das man mit Nostalgie zurückdenkt. Vielmehr erfährt der Rosenkranz gleichsam einen neuen Frühling. Das ist zweifellos eines der beredtesten Zeichen der Liebe, die die jungen Generationen Jesus und seiner Mutter Maria entgegenbringen. In der heutigen Welt, in der soviel Zerstreuung herrscht, hilft dieses Gebet, Christus in den Mittelpunkt zu stellen, so wie es die Jungfrau Maria tat, die all das, was über ihren Sohn gesagt wurde, und auch das, was er tat und sagte, in ihrem Herzen bedachte."

Dass Johannes Paul II. (1978-2005) ein großer Verehrer der Gottesmutter war, machte er nicht nur durch das "M" in seinem päpstlichen Wappen deutlich. Immer wieder besuchte er Marienheiligtümer oder vertraute sich dem Schutz Mariens an. In seinem Apostolischen Schreiben "Rosarium virginis Mariae" über den Rosenkranz aus dem Jahr 2002 schreibt Johannes Paul II.: "Tatsächlich ist der Rosenkranz, wenn auch von seinem marianischen Erscheinungsbild her charakterisiert, ein zutiefst christologisches Gebet. In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung  ist. In ihm erklingt das Gebet Marias, ihr unaufhörliches Magnificat durch das Werk der erlösenden Menschwerdung, die in ihrem jungfräulichen Schoß ihren Anfang nahm. Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen. In der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse schöpft der Gläubige Gnade in Fülle, die er gleichsam aus den Händen der Mutter des Erlösers selbst erhält."

In dem gleichen Schreiben erweitert der Papst die bisherigen Rosenkranzgeheimnisse um die Gesätze des "lichtreichen Rosenkranzes": Dieser Rosenkranz meditiert die Ereignisse aus dem Leben Jesu, in denen besonders seine göttliche Herrlichkeit inmitten seines irdischen Lebens aufscheint. Dazu gehören die Taufe im Jordan, die Hochzeit zu Kana, die Reich-Gottes-Verkündigung, aber auch die Verklärung und die Einsetzung der Eucharistie. Zum Abschluss mahnt der Pontifex noch einmal, den Schatz des Rosenkranzgebetes im eigenen Leben immer neu zu entdecken und ihn im Leben der Familien und Kinder zu pflegen. "Ein Gebet, das so einfach und gleichzeitig so reich ist, verdient es wirklich, von der christlichen Gemeinschaft neu entdeckt zu werden", so Johannes Paul.

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Er ist Teil seines spirituellen Vermächtnisses: Johannes Paul II. hat dem Rosenkranz fünf neue Geheimnisse hinzugefügt.

Zwar sind von Johannes Paul I. aufgrund der Kürze seines Pontifikates nur wenige Texte erhalten, doch bereits vor seiner Wahl auf den Stuhl Petri äußerte er sich – damals freilich noch Patriarch von Venedig –, aus Anlass des 400. Jahrestags des Rosenkranzfestes: "Wenn man vom Gebet eines 'erwachsenen Christen' spricht, übertreibt man manchmal. Ich persönlich fühle mich, wenn ich allein zu Gott oder Muttergottes spreche, lieber als Kind denn als Erwachsener. Mitra und Ring verschwinden dann: Ich schicke den Erwachsenen auf Urlaub, und auch den Bischof, mit seiner ernsten, gesetzten und bedachten Haltung, um mich ganz spontaner Zärtlichkeit hinzugeben, wie ein Kind zu seiner Mutter und zu seinem Vater. Wenigstens eine halbe Stunde vor Gott das zu sein, was ich wirklich bin – mit all meiner Erbärmlichkeit und mit meiner besten Seite: spüren, wie in meinem Innersten das Kind in mir wieder erwacht, das lachen, plaudern, den Herrn lieben will, und das manchmal den Wunsch verspürt, zu weinen, damit ihm Barmherzigkeit zuteil wird –, hilft mir zu beten. Der Rosenkranz, einfaches und schlichtes Gebet, hilft mir wiederum, Kind zu sein. Und dessen schäme ich mich ganz und gar nicht." Auf den Einwand, der Rosenkranz sei aufgrund der ständigen Wiederholungen ein "langweilige Gebet", zitierte der Patriarch Charles de Foucauld: "Die Liebe drückt sich mit wenigen Worten aus, stets denselben, die immer wiederholt werden."

Geheimnis der Erlösung

Im Nachklang des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und der dort beschlossenen liturgischen Reform äußerte sich auch Paul VI. (1963-1978). In "Marialis cultus" aus dem Jahr 1974 betonte der Papst vor allem den evangeliumsgemäßen Charakter des Rosenkranzes und seine christologische Ausrichtung: "Als biblisches Gebet, das auf das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung ausgerichtet ist, ist der Rosenkranz also ein Gebet, das zutiefst christologisch geprägt ist. In der Tat wird sein charakteristisches Element – die litaneiartige Wiederholung des 'Gegrüßet seist du, Maria' – selbst zu einem unaufhörlichen Lobpreis Christi, dem Endziel der Verkündigung des Engels und des Grußes der Mutter des Täufers: 'Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes' (Lk 1, 42). Wir möchten noch mehr sagen: die Wiederholung des Ave-Maria bildet die Kette, entlang der sich die Betrachtung der Geheimnisse entfaltet. Jener Jesus, den jedes Ave-Maria anruft, ist derselbe, den die Folge der Geheimnisse uns nacheinander als Sohn Gottes und der Jungfrau vorstellt, der in einer Grotte zu Betlehem geboren ist; von der Mutter im Tempel dargestellt; als Jüngling, der voller Eifer für das eintritt, was seines Vaters ist; als von Todesängsten gepeinigter Erlöser im Garten; gegeißelt und mit Dornen gekrönt; mit dem Kreuz beladen und sterbend am Kreuze; auferstanden von den Toten und aufgefahren in die Herrlichkeit des Vaters, um von dort das Geschenk des Geistes auszugießen. Es ist bekannt, dass man, vor allem um die Betrachtung zu fördern und Geist und Wort miteinander in Einklang zu bringen, zu einer früheren Zeit an den Namen Jesus in jedem Ave-Maria einen Satz hinzufügte, der das bestimmte Geheimnis wiederholte."

Der Rosenkranz ist kein veraltetes Gebet, sondern eines, das in der beständigen Wiederholung in das Geheimnis der Erlösung einführen möchte. Die Päpste legen den Gläubigen dieses Gebet immer aufs Neue ans Herz und es ist gut, sich gerade jetzt im Oktober wieder auf den Rosenkranz zu besinnen und ihn (neu) einzuüben.

Von Fabian Brand