Bruder von Taizé nach Missbrauchsvorwürfen verhaftet
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Die Taten sollen bis Mitte 2019 stattgefunden haben

Bruder von Taizé nach Missbrauchsvorwürfen verhaftet

Er wurde verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Bruder der Gemeinschaft von Taizé. Er soll eine Frau jahrelang sexuell missbraucht haben.

Paris/Taizé - 21.10.2019

Ein Bruder der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé befindet sich seit Donnerstag in Untersuchungshaft.  Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen ihn wegen "Vergewaltigung und sexueller Gewalt", berichtet die französische katholische Tageszeitung "La Croix" am Sonntag. Zuvor hatte eine Frau dem Bruder vorgeworfen, sie vor mehreren Jahren in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht zu haben.

Konkret beschuldigte sie den Mann, sie von 2003 "bis Mitte diesen Jahres geistlich, psychologisch und sexuell missbraucht zu haben", heißt es in einer Stellungnahme der ökumenischen Gemeinschaft, die am Freitag auf ihrer Website veröffentlicht wurde. Frère Alois habe daraufhin "umgehend die zuständigen Behörden in Kenntnis gesetzt. Die Aussagen der betroffenen Person wurden von der Polizei aufgenommen. Der beschuldigte Bruder wird zurzeit von der Polizei vernommen".

Im gleichen Statement äußerte Frère Alois seine Bestürzung über den Fall: "Meine Brüder und ich sind schockiert. Wir werden alles tun, um die Aufklärung zu unterstützen. Ein derartiges Verhalten ist mit unserem Leben unvereinbar. Ich stehe an der Seite der betroffenen Person und wir werden alles uns Mögliche tun, um ihr zu helfen."

Anfang Juni hatte die Gemeinschaft von Taizé Missbrauchsvorwürfe gegen drei ihrer Mitglieder öffentlich gemacht. Es ging um fünf Fälle von sexueller Gewalt gegenüber Minderjährigen in den 1950er bis 1980er Jahren. Zwei der beschuldigten Männer seien bereits verstorben, der dritte lebe zwar noch in Taizé, sei aber bereits "seit längerem" nicht mehr an der Organisation der Jugendtreffen beteiligt, teilte die Gemeinschaft damals mit. Man habe die Staatsanwaltschaft informiert und die eigenen Präventionsmaßnahmen intensiviert. (cst)