Kölner kfd will enger mit "Maria 2.0" kooperieren – aber nicht immer
Nach missverständlicher Erklärung zur Frauenbewegung

Kölner kfd will enger mit "Maria 2.0" kooperieren – aber nicht immer

Vergangene Woche schien sich die Kölner kfd von "Maria 2.0" distanzieren zu wollen, dementierte das aber nun. Im Interview sagt die Diözesanvorsitzende Elisabeth Bungartz, dass beide Gruppen enger zusammenarbeiten wollen, wenn auch mit Vorbehalten.

Von Christoph Paul Hartmann |  Köln - 23.10.2019

In der vergangenen Woche sorgte die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Erzbistum Köln für Aufsehen, als sie sich von der Bewegung "Maria 2.0" distanzierte. In einem Rundschreiben sprach sich der Vorstand "klar gegen eine Unterstützung oder Kooperation" mit "Maria 2.0" aus. Nun rudert der Verband zurück. Die Diözesanvorsitzende Elisabeth Bungartz stellt klar: Wir haben die gleichen Ziele, unterstützen aber nicht jede Aktion.

Frage: Frau Bungartz, in einem Rundschreiben an die kfd-Gruppen im Erzbistum Köln schreiben Sie über "Maria 2.0": "Diese Initiative scheint uns in ihren Aussagen nicht ausgegoren genug und wir sehen deren öffentliche Auftritte kritisch". Gleichzeitig wollen Sie aber nicht von einer Distanzierung sprechen. Was ist Ihre Aussage denn dann?

Bungartz: Dieser Rundbrief ging nicht an alle Mitglieder, sondern an alle örtlichen kfd-Vorstände und die Einzelmitglieder. Die Formulierung "nicht ausgegoren" war im Nachhinein betrachtet sehr unglücklich. Mittlerweile haben wir Gespräche mit Frauen des Kölner Initiativkreises von "Maria 2.0" in Köln geführt: Wir haben grundsätzlich die gleichen Ziele, das muss man ganz klar sagen. In diesem Rundschreiben ist das vielleicht etwas unglücklich herübergekommen. Das Einzige, was uns und mich an "Maria 2.0" stört, ist der zugeklebte Mund der Maria auf den Plakaten. Zudem waren wir nicht zu Kirchenstreiks bereit.

Frage: In der Erklärung schreiben Sie von Einwänden Ihrer Mitglieder gegen "Maria 2.0". Was stört Sie denn an dem Plakat und dem Kirchenstreik? Das bringt doch Aufmerksamkeit für diese Ziele.

Bungartz: Es mag sein, dass das Aufmerksamkeit gefunden hat, das merke ich auch selbst. Ich höre aber auch von ganz vielen kfd-Frauen in meiner Heimat Sankt Augustin: "Warum soll ich die Kirche bestreiken? Ich gehe gerne zum Gottesdienst." Nichtsdestoweniger haben wir auch Wort-Gottes-Feiern vor Kirchen abgehalten, haben aber nie von einem Kirchenstreik gesprochen. Das möchte ich differenziert sehen.

Außerdem sehe ich Maria als die Muttergottes. Sie auf den Plakaten mit zugeklebtem Mund darzustellen, finde ich etwas albern. Warum sollten wir ihr den Mund zukleben? Ich glaube, Maria hatte etwas zu sagen, auch wenn das in der Bibel nicht an jeder Stelle so herüberkommt. Das Magnificat ist da ein gutes Beispiel.

Elisabeth Bungartz ist die Vorsitzende des Kölner Diözesanverbands der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).

Frage: Aber "Maria 2.0" hat es in alle großen Medien geschafft, die kfd ist mit den gleichen Zielen deutlich weniger präsent. Finden Sie solche Mittel nicht wichtig, um für Ihre Ziele einzutreten?

Bungartz: Ich tue mich damit schwer. Natürlich wird "Maria 2.0" stark wahrgenommen und unsere Aktionen nicht so sehr. Doch ich höre auch von vielen Frauen, dass sie etwa mit den Plakaten Probleme haben. Trotzdem solidarisieren sie sich mit den Aktionen von "Maria 2.0", weil die eine große Wirkung haben.

Frage: Wie eng sollten die Bande zwischen kfd und "Maria 2.0" denn generell sein?

Bungartz: Wie bereits erwähnt sind wir schon im Gespräch und treffen uns mit Frauen aus dem Kölner Initiativkreis. Da wollen wir uns beraten, wie wir gemeinsam Ziele erarbeiten und vorgehen können. Wir sind da auf einem guten Weg.

Frage: Bei der Menschenkette von "Maria 2.0" um den Kölner Dom war die kfd nicht dabei und wurden auch nicht gefragt. Sollten die Frauenbewegungen mit ähnlichen Zielen da nicht enger zusammenarbeiten?

Bungartz: Ich bin sehr dafür, dass wir zusammenarbeiten, ansonsten werden wir uns verzetteln. Es ist schade, dass wir von dieser Aktion erst eine Woche vorher aus der Zeitung erfahren haben. In unserem ersten Gespräch mit Frauen des Initiativkreises wurde auch bedauert, dass wir nicht einbezogen wurden. Die Planungen haben aber wohl erst in den Sommerferien stattgefunden und deswegen ist nicht alles so gelaufen, wie es sollte. Wir haben da schon vereinbart, dass wir uns in der Zukunft gegenseitig frühzeitig über Aktionen informieren wollen und dann die Möglichkeit haben, zusammen zu gehen.

Frage: Sie wollen also ganz bewusst die Bande zu "Maria 2.0" enger schmieden?

Bungartz: Ja, auf jeden Fall.

Von Christoph Paul Hartmann