Fötus im Ultraschalluntersuchung
Jetzt schon eines der strengsten Gesetze Europas

Krakauer Erzbischof will totales Abtreibungsverbot

Polen hat eines der strengsten Abtreibungsgesetze in Europa – doch dem Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski genügt das nicht. Einer Unterschriftenliste zufolge dürfte er dafür viel Zustimmung bekommen.

Warschau - 08.11.2019

Der Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski fordert ein totales Abtreibungsverbot in Polen. Man könne mit dem jetzigen Gesetz nicht zufrieden sein, das jedes Jahr zu offiziell mehr als 1.000 Schwangerschaftsabbrüchen führe, sagte er im Privatsender TV Republika (Donnerstagabend). Das fünfte Gebot laute eindeutig: Du sollst nicht töten.

Polen hat eines der strengsten Abtreibungsgesetze in Europa. Schwangerschaftsabbrüche sind nur erlaubt, wenn die Gesundheit der Frau durch die Schwangerschaft gefährdet ist, sie vergewaltigt wurde oder der Fötus missgebildet ist.

800.000 Unterschriften für Ausweitung des Verbots

2017 hatte eine von der Kirche unterstützte Bürgerinitiative dem Parlament rund 800.000 Unterschriften für eine Ausweitung des bestehenden Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen auf missgebildete Föten überreicht. Die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) machte den Abtreibungsgegnern zunächst Hoffnungen auf eine Gesetzesverschärfung, ruderte dann aber angesichts einer Protestwelle von Frauenrechtlerinnen zurück.

107 Abgeordnete verschiedener Parteien beantragten ebenfalls 2017 eine Prüfung beim Verfassungsgericht, ob die Verfassung Abtreibungen von schwer geschädigten Föten erlaubt. Die Höchstrichter kamen diesem Auftrag aber bis zum Ende der Legislaturperiode des Parlaments im Oktober 2019 nicht nach; damit verfiel der Prüfauftrag. Die bekannte Abtreibungsgegnerin Kaja Godek warf Verfassungsgerichtspräsidentin Julia Przylebska deshalb am Mittwoch vor, "das Blut unschuldiger Kinder an ihren Händen" zu haben.

In Polen werden laut Regierungsangaben jährlich rund 1.000 legale Schwangerschaftsabbrüche registriert. In fast allen Fällen war der Fötus demnach unheilbar krank. Frauenrechtlerinnen zufolge entscheiden sich viele Polinnen zu Abtreibungen im Ausland.

Jedraszewski hatte sich zuletzt mehrfach gegen eine aus seiner Sicht um sich greifende "LGBT-Ideologie" gewandt. Diese stelle eine "große Bedrohung für unsere Freiheit" dar, schrieb der Erzbischof der südpolnischen Stadt in einem Ende September veröffentlichten Hirtenbrief. "Ihr Ursprung ist ähnlich wie im Totalitarismus des 20. Jahrhunderts die radikale Ablehnung Gottes", so Jedraszewski. (tmg/KNA)