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Standpunkt

Kommunizieren wir beim Ökumenischen Kirchentag vielleicht gemeinsam?

Können Katholiken und Protestanten bald zusammen zum Abendmahl und zur Kommunion gehen? Mehrere Theologen sehen "keine grundlegenden Probleme" mehr. Katholiken sollten die Vorschläge der Wissenschaftler wohlwollend prüfen, kommentiert Stefan Orth.

Von Stefan Orth |  Bonn - 12.11.2019

Dr. Stefan Orth ist stellv. Chefredakteur der Herder Korrespondenz

Weder auf katholischer noch auf protestantischer Seite ist die Ökumene derzeit das große Aufregerthema. Das ist auch auf der EKD-Synode in Dresden zu spüren. Eines hat allerdings im jährlichen Bericht zu den Beziehungen zur katholischen Kirche aufmerken lassen: die Resonanz auf das jüngst vorgelegte Dokument des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen.

Im aktuellen Papier "Gemeinsam am Tisch des Herrn" geht es um die Forderungen nach wechselseitiger Gastfreundschaft beim Abendmahl beziehungsweise der Eucharistiefeier. Die Wissenschaftler beider Seiten sehen keine grundlegenden theologischen Probleme mehr, auch die jeweils anderen zum Empfang von Abendmahl und Kommunion einzuladen. Christian Schad, Pfälzer Kirchenpräsident und federführend für die Kontakte der Protestanten zur katholischen Kirche zuständig, betonte vor der Synode, dass jetzt die Katholiken am Zug seien, gibt es doch evangelischerseits bereits ein entsprechendes Angebot.

Hier braucht es jetzt eine wohlwollende Prüfung. Im Vorfeld des Dritten Ökumenischen Kirchentags 2021 wird das Thema mit Sicherheit wieder für Diskussionen sorgen. Katholiken sollten alleine angesichts von drei Punkten, die im Text deutlich gemacht werden, dabei freilich mit Redlichkeit diskutieren.

Erstens gab es sowohl im Neuen Testament als auch in den ersten christlichen Jahrhunderten eine Vielfalt an Akzentuierungen des Abendmahlsgeschehens, der man auch heute Rechnung tragen sollte. Zweitens gibt es inzwischen im evangelischen Raum ein deutliches ausgeprägteres Gespür dafür, dass den Gaben etwas zuwächst, was auch nach dem Ende eines Gottesdienstes einen respektvollen Umgang mit ihnen erfordert – ein aus katholischer Sicht stets sensibler Punkt. Drittens haben sich auch deutliche Annäherungen bei der Ämtertheologie ergeben, die mit dem Verständnis von Eucharistie eng zusammenhängen. Schad betonte vor der Synode sowohl die tiefere Einsicht in die Rolle der Ordination auf evangelischer Seite. Umgekehrt ist inzwischen auch für Protestanten klar, dass beispielsweise das Gebet für Bischof und Papst im Hochgebet legitim sein kann, weil hier der Zusammenhang von Gottesdienstgemeinde und der größeren Gemeinschaft der Kirche hergestellt wird.

Die nächsten eineinhalb Jahre bis zum Dritten Ökumenischen Kirchentag könnten also interessant werden.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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