Der Schatten eines Kreuzes
Caritas Internationalis "traurig und empört"

Bericht: Caritas-Direktor und Salesianer soll Jungen missbraucht haben

Missbrauchsanschuldigungen gegen einen in Afrika tätigen belgischen Salesianerpater und Caritas-Direktor: Der Nachrichtensender CNN wirft seinem Orden vor, den Missbrauch des Paters jahrelang vertuscht zu haben. Die Caritas ist entsetzt.

Berlin/Rom - 22.11.2019

Mit Entsetzen hat Caritas Internationalis, die weltweite Dachorganisation der nationalen Caritasverbände, auf Missbrauchsvorwürfe gegen den bisherigen Direktor der Hilfsorganisation in der Zentralafrikanischen Republik reagiert. Man sei "traurig und empört", teilte der Generalsekretär von Caritas Internationalis, Aloysius John, am Donnerstag in Rom in einer schriftlichen Stellungnahme mit. "Wir drücken den Kindern und ihren Familien unser Mitgefühl und unsere Solidarität aus." Die Caritas danke den Betroffenen, dass sie sich gemeldet hätten und sage ihnen volle Unterstützung zu. "Als Caritas arbeiten wir ständig daran, die Sicherheit von Kindern in der Zentralafrikanischen Republik und der ganzen Welt zu verbessern. Unsere erste Aufgabe ist es, diejenigen zu schützen, denen wir dienen", betonte John.

Zuvor hatte der amerikanische Nachrichtensender CNN in einer umfangreichen Multimedia-Reportage über die Missbrauchsvorwürfe gegen den belgischen Salesianerpater Luk Delft berichtet. Dieser habe während seiner Tätigkeit für die zentralafrikanische Caritas seit 2013 mindestens zwei Jungen missbraucht. Der 50-Jährige sei erst von seinen Aufgaben entbunden worden, nachdem man die Leitung des Salesianerordens mit den Vorwürfen konfrontiert habe, so CNN.

CNN: Orden hat Missbrauch jahrelang vertuscht

Laut dem Sender wusste der Orden, der vor allem in der Jugendarbeit engagiert ist, seit vielen Jahren von den pädophilen Neigungen des Paters, da dieser bereits 2012 in Belgien wegen Kindesmissbrauchs und des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden sei. Das Gericht habe gegen Delft damals unter anderem eine 18-monatige Gefängnisstrafe und ein zehnjähriges Kontaktverbot zu Kindern verhängt. CNN warf dem Orden vor, den Missbrauch des Paters jahrelang vertuscht zu haben. Man habe Delft wiederholt versetzt und ihn schließlich in der Arbeit mit schutzbedürftigen Familien in einem der ärmsten Länder der Welt eingesetzt. Inzwischen, so der Sender weiter, sei Delft nach Belgien zurückgerufen worden, wo er sich derzeit "unter Aufsicht" befinde. Auf Basis der Recherchen des Senders hätten die belgischen Behörden zudem neue Ermittlungen gegen den Pater aufgenommen.

Caritas Internationalis kündigte an, die Caritas in der Zentralafrikanischen Republik bei der Untersuchung der Vorwürfe, der Stärkung ihrer Schutzmechanismen und der Betreuung der möglichen Opfer und ihrer Familien zu unterstützen. Man habe zudem alle nationalen Caritasverbände darum gebeten, ihre hauptamtlichen Mitarbeiter und Freiwilligen zu überprüfen. Darüber hinaus ermutige man alle Personen mit relevanten Hinweisen, sich an die Polizei zu wenden. (stz)