Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Papst Franziskus der Privataudienz am 18.05.2013 im Vatikan.
Europa und Finanzmärkte Thema bei Treffen von Kanzlerin und Papst

50 Minuten mit Merkel

Privataudienz - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Samstag von Papst Franziskus zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen worden. Dabei betonte sie die "zentrale Rolle" der katholischen Kirche für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Politik könne die Voraussetzungen dafür nicht alleine schaffen, sagte Merkel nach der rund 50-minütigen Privataudienz. Kirche und Christentum seien deshalb wichtige Partner.

Vatikanstadt - 18.05.2013

Merkel wies vor Journalisten darauf hin, dass sie den Papst bereits bei dessen Amtseinführung nach Deutschland eingeladen habe. Die Kanzlerin hatte am 19. März auf dem Petersplatz an der Feier teilgenommen.

Mit Papst Franziskus habe sie besonders über Fragen der Globalisierung und die Rolle Europas in der Welt gesprochen, so Merkel weiter. Dabei machte der Papst nach ihren Worten deutlich, "dass Europa gebraucht wird auf der Welt, dass wir ein starkes, gerechtes Europa brauchen. Insofern war das für mich eine sehr ermutigende Diskussion." Wie sein Vorgänger Benedikt XVI. unterstreiche der argentinische Papst, "wie wichtig das Christentum für unsere europäischen Wurzeln ist".

Wie der Vatikan im Anschluss an die Gespräche mitteilte, hoben beide Seiten die Bedeutung Europas als Wertegemeinschaft hervor. Es sei deutlich geworden, dass die Entwicklung des Kontinents auf den Prinzipien von Menschenwürde, Subsidiarität und Solidarität gründen müsse.

Regulierung der Finanzmärkte ein zentrales Ziel

Bei dem Gespräch ging es auch um das Problem der deregulierten Finanzmärkte, wie die Bundeskanzlerin hinzufügte. Die gegenwärtige Finanzkrise sei aus einem Mangel an sozialer Marktwirtschaft und wegen fehlender Leitplanken im Finanzsektor entstanden. Eine solche Entgleisung dürfe sich nicht wiederholen. "Die Wirtschaft ist dazu da, dass sie den Menschen dient. Und das ist in den vergangenen Jahren längst nicht überall der Fall gewesen", führte Merkel aus. Der Papst hatte vor kurzem die "Tyrannei" der Märkte verurteilt und ethisch ausgerichtete Finanzreformen mit mehr Hilfe für die Armen verlangt. Geld solle dienen und nicht regieren, hatte er kritisiert.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in Rom zur Amtseinführung von Papst Franziskus

Ihren Besuch im Vatikan bezeichnete die Kanzlerin als Freude und Ehre für Deutschland. Papst Franziskus erreiche die Menschen mit einfachen und berührenden Worten. Er verdeutliche, dass sich die Kirche nicht einschließen dürfe, sondern die Menschen zur Öffnung für das Christentum ermutigen müsse.

Deutsche Kultur für den Papst

Die Unterredung am Samstagvormittag in der päpstlichen Privatbibliothek im Apostolischen Palast dauerte deutlich länger als bei Treffen mit Spitzenpolitiken üblich. Das Gespräch wurde von einem Dolmetscher übersetzt. Als Geschenk brachte Merkel dem Papst eine Gesamtausgabe des deutschen Lyrikers Friedrich Hölderlin (1770 - 1843) in antiquarischen Bänden aus dem Jahr 1905 in Leder und Goldschnitt sowie eine Gesamtausgabe des Dirigenten und Komponisten Wilhelm Furtwängler in 107 CD's mit. Wenn er denn dafür die Zeit dafür finde, meinte Merkel zu ihm auf Deutsch.

Franziskus hatte in früheren Interviews Hölderlin als einen seiner Lieblingsdichter bezeichnet und bei einer seiner ersten Audienzen auf Deutsch aus einem Werk von ihm zitiert ("Es ist ruhig das Alter und fromm."). Ebenso hatte er in früheren Gesprächen zu erkennen gegeben, dass er die Aufführungen von Furtwängler schätze. Der Papst bedachte Merkel mit Vatikan-Münzen aus der Zeit der Sedisvakanz. (luk/KNA/dpa)