Peter Kohlgraf ist Bischof von Mainz.
Gegen Bedenken bei Bildung von Großpfarreien

Bischof Kohlgraf: Müssen "Pfarreien" ganz neu denken

Die Bildung von Großpfarreien "ruft Bedenken hervor und ist für viele wenig verlockend", konstatiert der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Das liege jedoch an einem Denkfehler. Er sagt, wie größere Seelsorgeeinheiten anders verstanden werden können.

Mainz - 13.01.2020

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf wirbt bei der geplanten Strukturreform in der Diözese für ein "neues Verständnis" der künftigen größeren Pfarreien als Netzwerke. Beabsichtigt ist, die bislang 134 Seelsorgeeinheiten der Diözese bis zum Jahr 2030 in 50 Pfarreien zusammenzuführen. Kohlgraf sagte laut Mitteilung des Bistums bei seinem Neujahrsempfang am Wochenende: "Die Bildung von 50 Pfarreien in unserem Bistum ruft Bedenken hervor und ist für viele wenig verlockend." Dies liege vor allem daran, dass mit "Pfarrei" das Bild der bisherigen "Pfarrgemeinden" verbunden werde. "Eine einfache Vergrößerung der Flächen der Pfarreien bei weitgehend gleichbleibenden Strukturen wäre in der Tat wenig verheißungsvoll", so der Bischof. Deutlich solle aber werden, "dass wir uns die neuen Pfarreien als ein Netzwerk vielfältiger Gemeinden und Kirchorte wünschen, in denen Glaube vor Ort gelebt werden kann und gleichzeitig eine gute Zusammenarbeit und Vernetzung gelingt." Dies gehe auch aus dem Infoflyer "Pfarreien als Netzwerk" hervor.

Beim sogenannten Pastoralen Weg des Bistums Mainz, der sich als Prozess der geistlichen und strukturellen Erneuerung der Kirche im Bistum versteht, gibt es den Angaben zufolge drei Phasen: Bis 2021 soll in den Dekanaten zunächst jeweils ein Pastoralkonzept für die zukünftigen Pfarreien erarbeitet werden. Von 2021 bis 2030 sollen in einer zweiten Phase die derzeit 134 Pastoralen Einheiten im Bistum - also Pfarrgruppen und Pfarreienverbünde - nach und nach zu rund 50 Pfarreien zusammengeführt werden. Dabei werde es in den Dekanaten voraussichtlich zu "Ungleichzeitigkeiten" kommen, hieß es. Sobald eine neue Pfarrei errichtet sei, sollen in der dritten Phase durch "Pfarreientwicklungsprozesse" die erarbeiteten Konzepte umgesetzt werden. In allen Phasen soll es Möglichkeiten und Formen der Beteiligung geben.

Kohlgraf hatte im Dezember betont, dass er die Leitung der künftigen Großpfarreien des Bistums als Gemeinschaftsaufgabe von Priestern und Laienkatholiken ansieht. "Das Bild des Priesters als Einzelkämpfer ist meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß und es war eigentlich nie zeitgemäß", sagte Kohlgraf. "Wir brauchen ein Verständnis von Leitung, das gemeinsame Leitung einschließt, wo Leitungsverantwortung abgegeben werden kann - gegebenenfalls auch an Nichtgeweihte, auch an Nichthauptamtliche", so der Bischof. (tmg/KNA)