Der Eichstätter Dom.
"Die Gemeinschaft in der Dompfarrei wird leiden, aber..."

Eichstätter Dom wird für zwei Jahre geschlossen

Voraussichtlich zwei Jahre lang werden die Eichstätter auf ihre Kathedralkirche verzichten müssen: Ab März ist der Dom wegen einer Grundinstandsetzung geschlossen. Das hat vor allem auch Auswirkungen auf die Dompfarrei.

Eichstätt - 22.01.2020

Der Eichstätter Dom wird ab März für voraussichtlich zwei Jahre geschlossen. Anlass ist die Grundinstandsetzung der Kathedrale, wie das Bistum Eichstätt am Mittwoch informierte. Nach der seit dem vergangenen Frühjahr erfolgten Sanierung des Westchors, des Willibaldschors, werden demnach nun das Langhaus und das Querschiff neu hergerichtet. Dies sei der zweite von vier Bauabschnitten in West-Ost-Richtung. Später sollen noch die Restaurierung des Ostchors (2022) und der Türme mit der Kapitelsakristei (2023) folgen. Die Gesamtkosten lägen bei 15,45 Millionen Euro; bisher entspreche die Finanzlage der Planung.

12,2 Millionen davon bezahlt den Angaben zufolge der Freistaat Bayern, das Bistum 3,25 Millionen Euro. Mit dem Geld umgesetzt werden solle unter anderem die denkmalgerechte statische Sanierung aller Dachstühle, der Wiedereinbau einer Wärmedämmung auf den Gewölben, die Sanierung von Fassaden und Fenstern, die Restaurierung der steinernen Maßwerke und Gläser sowie Natursteinarbeiten an den Treppenstufen. Ferner würden der Innenraum samt Ausstattung gereinigt sowie die Blitzschutzanlage und das Beleuchtungskonzept erneuert. Letzteres übernehme das bekannte Ingenieurbüro Bamberger, das auch schon an der Dresdener Frauenkirche gewirkt habe.

Ausweichkirche für die Dompfarrei

Schon vor der Großbaustelle wurden der Kreuzgang und die Westfassade mit den Heiligenfiguren saniert sowie eine neue Lautsprecheranlage installiert. Die Gottesdienste der Dompfarrei werden künftig in die benachbarte Schutzengelkirche verlegt, wie Domkapitular Josef Blomenhofer ankündigte. Am 1. März sei ein Abschiedsgottesdienst samt Prozession zur Schutzengelkirche geplant, bei der man das Allerheiligste und eine Reliquie des heiligen Willibald überführen werde. Blomenhofer sagte: "Die Gemeinschaft in der Dompfarrei wird leiden. Aber es bietet sich auch die Chance, festgefahrene Linien aufzubrechen."

Domkapitular Reinhard Kürzinger, Summus Custos ("Oberster Wächter") der Kathedrale, ergänzte, er verspreche sich "Impulse für unser Glaubensleben". Weiter fügte er an: "Während der Bauarbeiten ist der Willibaldsaltar eingehüllt. Das heißt aber nicht, dass wir mit unserem Glauben einpacken müssen!" Architekt Hermann Keim erklärte, für die Bauarbeiten müsse man den halben Domplatz sperren. Es würden "riesige" Kräne aufgestellt, da der Dom nur von zwei Seiten frei zugänglich und sonst in die umstehende Bebauung eingebunden sei.

Der Eichstätter Dom vereinigt Bauphasen des 11. bis 18. Jahrhunderts. Bereits im 8. Jahrhundert soll der heilige Willibald an seiner Stelle eine erste Steinkirche errichtet haben. Die heutige Kathedrale entstand im Wesentlichen in der Hoch- und Spätgotik und wurde 1718 durch eine barocke Westfassade abgeschlossen. Zusammen mit dem Kreuzgang und dem zweischiffigen Mortuarium gehört der Dom laut Stadt Eichstätt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Baudenkmälern Bayerns. Seine bisher letzte große Innenrenovierung fand von 1971 bis 1975 statt. (KNA)