Kirchenrechtler Lüdecke: Synodaler Weg keine echte Beteiligung
"Rhetorisches Wertschätzungsklima" ohne Verbindlichkeit

Kirchenrechtler Lüdecke: Synodaler Weg keine echte Beteiligung

Kardinal Woelki sieht durch den Synodalen Weg die hierarchische Verfassung der Kirche bedroht – der Kirchenrechtler Norbert Lüdecke nicht. Im Gegenteil: Die Laien hätten in Wirklichkeit auch beim Synodalen Weg eigentlich nichts zu melden, findet er.

Bonn - 04.02.2020

Der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke kritisiert Darstellungen, die den Synodalen Weg als "Dialog auf Augenhöhe" betrachten und von "Gleichberechtigung" unter den Teilnehmenden sprechen. Dies sei "kontrafaktisches Gerede", schreibt er in einem Beitrag für das theologische Feuilleton "Feinschwarz". In der Kirche gebe es für katholische Gläubige keinen hierarchiefreien Raum.

Lüdecke betont in seinem Beitrag, dass die "vordergründig als Geschwister angeredeten Lai*innen [...] auch als Erwachsene in diesem Kindschafts- und Erziehungsverhältnis zur Mutter Kirche und den sie repräsentierenden männlichen geistlichen Vätern" blieben. Mit Blick auf die Satzung des Synodalen Wegs weist der Kirchenrechtler darauf hin, dass die dort verankerte "gemeinsame Verantwortung" nicht mit Gleichberechtigung verwechselt werden dürfe. Die Synodalversammlung kann nur unverbindliche Empfehlungen aussprechen, deren Umsetzung in den Händen der Bischöfe liegt. "Entscheidend ist nicht, was mit welchem Argument gesagt wird, sondern wer mit welcher formalen Geltung spricht", so Lüdecke. Der Synodale Weg sei demnach lediglich ein "Beteiligungs-Avatar", das Stimmrecht der Laien-Mitglieder lediglich die Fiktion von Mitsprache. Es werde ein "rhetorisches Wertschätzungsklima" aufgebaut.

Maria 2.0 habe echte Lage durchschaut

Der Kirchenrechtler greift in seinem Beitrag die Kritik des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki auf, der in einem Interview mit dem "Domradio" die Sitzordnung, bei der Kleriker und Laien unterschiedslos nebeneinander platziert wurden, und den gemeinsamen Einzug bei der Eröffnungsmesse kritisiert hatte. Dass "da jeder gleich ist", habe laut Woelki "eigentlich nichts mit dem zu tun, was Katholische Kirche ist und meint."

Die Sorge Kardinal Woelkis um die hierarchische Verfassung der Kirche hält Lüdecke jedoch für "übertrieben" angesichts der Laienmitglieder der Synodalversammlung: "Weit überwiegend scheinen die katholischen Laien aber damit zufrieden, sich gesehen zu fühlen, statt effektiv partizipieren zu können." Die Mitglieder der Protestbewegung "Maria 2.0" und andere Gruppen, die "um ihrer Würde als Lai*innen willen" sich nicht am Synodalen Weg beteiligten, hätten das "durchschaut". (fxn)