Synodaler Weg
Auch Kritiker des Reformprozesses eingebunden

Die Synodalversammlung: Ein Blick auf die Mitglieder

Ende vergangener Woche wurden die Mitglieder der Versammlungen des "synodalen Wegs" bekannt gegeben. Die angestrebte "geschlechtergerechte Besetzung" ist jedoch nicht gelungen: Unter den Mitgliedern gibt es doppelt so viele Männer wie Frauen. Katholisch.de hat die Teilnehmerliste analysiert.

Von Roland Müller |  Bonn - 18.12.2019

Die Teilnehmer des "synodalen Wegs" stehen fest: Ende vergangener Woche veröffentlichten die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), die gemeinsam den Reformprozess ins Leben gerufen haben, eine Liste mit den Mitgliedern der Synodalversammlung. Bis 2021 werden sich die 230 Teilnehmer viermal zu Plenarsitzungen in Frankfurt am Main treffen. Die erste Sitzung ist für den 30. Januar bis 1. Februar 2020 geplant. Bislang sind erst 227 Versammlungsmitglieder namentlich bekannt, da DBK und ZdK die fehlenden drei Teilnehmer nach Absagen der ursprünglich ausgewählten Personen noch bestimmen müssen. Dennoch lohnt sich schon jetzt ein genauer Blick in die Teilnehmerliste.

Ein erster augenscheinlicher Punkt ist die Verteilung der Geschlechter. Hier herrscht bei der Zusammensetzung der Synodalversammlung ein deutliches Ungleichgewicht: 158 teilnehmenden Männern stehen 68 Frauen gegenüber. Weibliche Teilnehmer machen damit weniger als ein Drittel der Synodalversammlung aus. Außerdem gab der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) auf seiner Internetseite an, dass ein Mitglied des Gremiums weder männlich noch weiblich, sondern diversen Geschlechts sei.

Der hohe Männeranteil in der Synodalversammlung rührt daher, dass alle 69 deutschen Diözesan- und Weihbischöfe allein aufgrund ihres Amtes zum Parlament des "synodalen Wegs" gehören. Doch sie sind nicht die einzigen Kleriker, die in Frankfurt dabei sein werden: 35 Priester sind ebenfalls Mitglieder der Synodalversammlung. 27 von ihnen wurden von den Priesterräten ihres Bistums entsandt, weitere nehmen etwa als Vertreter der Generalvikare teil oder stehen für Organisationen wie das Kolpingwerk, die Gemeinschaft Sant’Egidio oder den Deutschen Caritasverband. Zudem vertreten vier Ständige Diakone die Anliegen ihrer Mitbrüder. Insgesamt nehmen an den Versammlungen des "synodalen Wegs" also 108 Kleriker teil, die gemeinsam mit 119 Laien einen Weg für die Kirche in die Zukunft suchen sollen.

Ebenso sind 16 Ordensleute in der Synodalversammlung vertreten. Zehn von ihnen wurden von der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) bestimmt. Auffällig bei der Auswahl ist, dass sich unter ihnen lediglich ein geweihter Priester befindet. Da in Deutschland viele Ordensleute aus dem Ausland arbeiten, wurde für die Synodalversammlung auch eine Ordensschwester aus Indien ausgewählt, die in Stuttgart als Gemeindereferentin arbeitet. Weitere Ordensleute über die Liste der DOK hinaus sind etwa die Diözesanbischöfe Gregor Maria Hanke, Stefan Oster und Heiner Wilmer sowie Weihbischof Dominicus Meier aus Paderborn.

22 Teilnehmer aus dem Erzbistum Köln

Mit Blick auf die Herkunftsdiözesen der Teilnehmer ist eine eindeutige Verteilung unter den Synodalen zu erkennen: 111 Mitglieder – und damit fast die Hälfte der Synodalversammlung – gehören zu Bistümern aus dem Westen und der Mitte Deutschlands, also den (Erz-)Diözesen Aachen, Essen, Fulda, Köln, Limburg, Mainz, Münster, Paderborn, Speyer und Trier. Danach folgen die süddeutschen Diözesen mit 68 Vertretern. Aus den Bistümern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nehmen 30 und aus den Bistümern im Norden (Kirchenprovinz Hamburg) 18 Gläubige teil. 197 Mitglieder der Synodalversammlung stammen demnach aus dem Gebiet der Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung. Darin ist die Synodalversammlung ein Abbild der deutschen Kirche, in der über 95 Prozent der Gläubigen in einem ehemals "alten" Bundesland leben.

Im Erzbistum Köln leben mit 22 Vertretern die mit Abstand meisten Teilnehmer – ein Umstand, für den die Situation verantwortlich ist, dass zahlreiche kirchliche Verbände und Vereine ihren Sitz im Rheinland haben. Nach Köln folgt auf Platz 2 das Bistum Münster mit 18 Synodalen, danach auf Platz 3 die Diözese Rottenburg-Stuttgart (13 Teilnehmer). Mit jeweils drei Gläubigen stammen aus den Bistümern Eichstätt, Görlitz und Passau die wenigsten Versammlungsmitglieder. Zwei Teilnehmer leben in der österreichischen Hauptstadt Wien; von zwei weiteren war der Wohnort nicht zu ermitteln.

Die Zusammensetzung der Versammlungsteilnehmer weist zudem einige Besonderheiten auf. Unter den Mitgliedern finden sich mehr als 150 Menschen, die hauptberuflich bei der Kirche oder einer katholischen Einrichtung arbeiten – sei es als Bischof, Priester, Theologieprofessor, Geschäftsführer, Gemeindereferent oder Pfarrhaushälterin. Während in Deutschland etwa zwei Prozent der Bevölkerung einen Doktorgrad erworben haben, sind es unter den Mitgliedern der Synodalversammlungen etwa 38 Prozent. Etwas weniger als zehn Prozent führen sogar einen Professorentitel. Zwei Teilnehmer vom "Bundespastoralrat der Katholiken anderer Muttersprache" vertreten alle fremdsprachigen Gemeinden in Deutschland und damit zahlreiche Gläubige mit Migrationshintergrund.

Für die junge Generation stehen 15 Teilnehmer unter 30 Jahren, die vom BDKJ ausgewählt wurden. Dort konnten sich Jugendliche und junge Erwachsene um einen Platz in der Synodalversammlung bewerben. Viele der Gewählten engagieren sich in katholischen Jugendverbänden oder werden vom Cusanuswerk gefördert, dem Studienwerk der deutschen Bischöfe. Doch auch verbandslose Vertreter wurden ausgewählt. Neben diesen Synodalen gibt es eine Handvoll weitere Teilnehmer in jüngerem Alter.

Auch "Maria 1.0" ist in Synodalversammlung vertreten

Schließlich sind drei Vertreter der Neuen Geistlichen Gemeinschaften in Frankfurt dabei, die der Schönstatt-Gemeinschaft, der "Jugend 2000" und der "Nightfever"-Bewegung angehören. Ferner haben die Bischöfe auch Kritiker des "synodalen Wegs" in die Synodalversammlung berufen. So wurde die Wiener Theologin Marianne Schlosser zur Teilnehmerin ernannt, die im September ihre Mitarbeit im vorbereitenden Forum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" vorzeitig beendet hatte. Sie hatte damals erklärt, dass es ihrer Wahrnehmung nach in der Frauen-Frage eine "interessengeleitete Fixierung auf das Weihesakrament" gegeben habe.

Auch die Initiative "Maria 1.0", die sich als Reaktion auf den Kirchenstreik von "Maria 2.0" gegründet hatte, ist mit einem Mitglied in der Synodalversammlung vertreten. Die Teilnahme von "Maria 1.0" ist nach Angaben der Gruppe aufgrund einer Einladung des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer zustande gekommen.

Von Roland Müller

So wurden die Teilnehmer der Synodalversammlung bestimmt

Die insgesamt 230 Teilnehmer der Synodalversammlung wurden von der DBK und dem ZdK bestimmt: Die 69 Mitglieder der Bischofskonferenz gehören von Amts wegen der Versammlung an. Das ZdK wählte ebenfalls 69 Mitglieder. 10 Teilnehmer vertreten die Orden, 27 Geistliche wurden von den Priesterräten der Diözesen entsandt sowie 15 junge Gläubige vom BDKJ vorgeschlagen und durch das ZdK gewählt. Zudem gibt es in der Synodalversammlung Vertreter der Ständigen Diakone (4), der Pastoral- und Gemeindereferenten (4+4), des Katholisch-Theologischen Fakultätentags (3), der Neuen Geistlichen Gemeinschaften (3) und der Generalvikare (2). Außerdem wählten DBK und ZdK jeweils 10 weitere Einzelpersonen in das Gremium. Eine vollständige Teilnehmerliste gibt es auf der Internetseite des "synodalen Wegs".