Bertram Meier will als Oberhirte weiter als normaler Mensch leben

Künftiger Augsburger Bischof: Anrede "Herr Meier" wäre in Ordnung

Aktualisiert am 06.02.2020  –  Lesedauer: 

Augsburg ‐ Abheben, weil man Bischof wird? Nicht so mit dem ernannten Augsburger Oberhirten Bertram Meier. Er will auch künftig "ganz normal als Mensch" leben – Glühwein, Bratwurst und Fußball inklusive. Und auch in seiner Anrede soll sich das niederschlagen.

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Der ernannte Bischof von Augsburg, Bertram Meier (59), will nach eigenen Worten versuchen, "in der Stadt weiter ganz normal als Mensch zu leben". Auch als Bischof wolle er zum Beispiel noch auf den Christkindlesmarkt gehen, eine Thüringer essen und Glühwein trinken, sagte Meier am Donnerstag dem Radiosender Bayern 1. Zu seiner künftigen Anrede erklärte Meier: Der Titel Exzellenz stehe ihm dann zwar zu. Aber er werde auch auf "Herr Bischof" oder einfach "Herr Meier" hören. Wobei es viele Meiers gebe, "Herr Bischof Meier" könne da als Unterscheidungshilfe dienen.

Zum praktisch durchweg positiven Echo auf seine Ernennung von Gläubigen und Medien sagte Meier, er freue sich über die Vorschusslorbeeren. Sie seien "ein ganz toller Startschuss". Jedoch werde er es nicht allen recht machen können. Es sei natürlich, wenn jemand später sagen werde "Wir haben uns den Bertram Meier anders vorgestellt".

Meier erzählte weiter, er habe schon im Alter von drei oder vier Jahren Pfarrer gespielt: "Meine Mutter musste mir ein Messgewand aus einer Gardine machen und ich habe aus Holzbauklötzen ein Segnungskreuz gebastelt." Meier ergänzte, zu seinen Hobbys zähle er etwa Fußball - "theoretisch besser als praktisch". Er schaue sich oft Spiele des FC Bayern München und des FC Augsburg an. Zudem gehe er gern wandern und gut essen. "Und ich möchte auch nicht auf meine Meran-Urlaube verzichten." Wichtig sei es ihm ferner, seine außerkirchlichen Freundschaften zu pflegen. "Die geben oft die erdigsten Echos."

Meier: Werde bald wieder nach Rom fahren

Aus seiner früheren Zeit in Rom berichtete Meier, dort habe es zu seinen Aufgaben gehört, die Korrespondenz für den Papst zu sichten. Einmal habe eine alte Frau ein Paket für Johannes Paul II. geschickt. "Mit Hautcremes. Weil sie den Papst im Fernsehen so faltig gefunden habe, schrieb sie." Meier kündigte an, er werde bald wieder nach Rom fahren, um sich dort Bischofsgewänder schneidern zu lassen. "Eine Winter- und eine Sommerausgabe."

Meier war am 29. Januar von Papst Franziskus zum neuen Bischof von Augsburg ernannt worden. Unmittelbar nach Bekanntgabe seiner Ernennung sagte er zu seinem Amtsverständnis: "Ein Bischof bleibt immer Mensch. Und es kratzt überhaupt nicht an seiner Autorität, wenn er dieses Menschsein zulässt." Am vergangenen Freitag kündigte er zudem an, nicht im Augsburger Bischofshaus wohnen zu wollen, und bot sich als Mittler zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und dem Vatikan an. Seine langjährige römische Erfahrung könne "interessant sein, gerade in Zeiten, wo vielleicht die Alpen nicht nur ein paar so und so viel tausend Meter hohe Berge sind, sondern auch psychologisch in der Kirchengeographie gewisse Barrieren bringen", sagte Meier.

Der Domdekan Bertram Meier ist derzeit Diözesanadministrator, also Übergangsleiter, des Bistums Augsburg. Dieses Amt hat er seit Juli 2019 inne. Damals trat der bisherige Augsburger Bischof Konrad Zdarsa in den Ruhestand. Am 13. März wird Meier in München seinen Eid auf die bayerische Verfassung ablegen. Für den 21. März ist im Augsburger Dom seine Weihe zum Bischof angesetzt. (tmg/KNA)