Die gefalteten Hände von Papst Franziskus im Vatikan am 24. Februar 2018.
Franziskus schreibt an Bischof Michael Gerber

Papst reagiert bestürzt auf "schreckliche Gewalttat" in Hanau

Der rassistisch motivierte Mord an zehn Menschen im hessischen Hanau hat auch den Papst tief getroffen: Franziskus verfasste ein Telegramm an Fuldas Bischof Michael Gerber. Der wiederum wendet sich in einem Schreiben an alle Gemeinden seiner Diözese.

Vatikanstadt/Hanau - 21.02.2020

Mit Bestürzung hat Papst Franziskus auf die "schreckliche Gewalttat" in Hanau reagiert. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin übermittelte am Freitag ein Telegramm des Kirchenoberhaupts an den Fuldaer Bischof Michael Gerber. Darin bringt der Papst seine Anteilnahme an der Trauer der Hinterbliebenen zum Ausdruck. Unschuldige Menschen seien "in den Tod gerissen" worden. Franziskus vertraue die Verstorbenen der Barmherzigkeit Gottes an und bitte um Trost und Zuversicht für die Trauernden.

Bei Angriffen auf Shisha-Bars im hessischen Hanau hatte ein bewaffneter Mann am Mittwochabend nach bisherigen Erkenntnissen zehn Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet. Unter den Toten sollen neun Menschen mit Migrationshintergrund im Alter zwischen 21 und 44 Jahren sowie seine 72-jährige Mutter sein. Die Bundesanwaltschaft attestierte dem Angreifer eine "zutiefst rassistische Gesinnung". Der mutmaßliche Schütze wurde in seiner Wohnung tot aufgefunden. Dort wurde auch die Leiche seiner Mutter entdeckt.

Bischof Gerber schreibt allen Gemeinden seines Bistums

Gerber bat in einem Schreiben alle Kirchengemeinden der Diözese, für die Opfer der Gewalttat in den anstehenden Gottesdiensten zu beten. Der Bischof dankte insbesondere den Mitarbeitern in den Pfarreien im Großraum Hanau, in der Notfallseelsorge und den kirchlichen Beratungsdiensten, die unmittelbare Hilfe leisteten. Sie zeigten in dieser schwierigen Situation die Bereitschaft, erreichbar zu sein, zuzuhören und das "Loch im Herzen" auszuhalten.

Nach dem rassistisch motivierten Anschlag zeigte sich auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in der Stadt geschockt. "Diese Anschläge auf das Leben wurden von einem Menschen verübt, der keinen Respekt vor dem Leben anderer hatte", hieß es in einer Stellungnahme der ACK. Für den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft sagte Pfarrer Torben Telder: "Unsere Welt steht Kopf." In Gedanken und Gebet fühlten sich die Christen in Hanau mit einer ganzen Stadt verbunden, die fassungslos dieser Tat gegenüberstehe.

Die ACK Hanau erklärte weiter, sie drücke ihr tiefes Mitgefühl und ihre Unterstützung den Angehörigen der Opfer aus. Darin eingeschlossen sei "auch die Familie des Täters". Die ACK organisiert an diesem Freitagabend um 18 Uhr einen Gedenkgottesdienst in der Freien evangelischen Gemeinde in Hanau. Auch am Sonntag werde die "Bitte um Frieden im gesellschaftlichen Miteinander" in die Gottesdienste aufgenommen.

Zum Freitag rief auch die islamische Gemeinschaft der Ahmadiyya in Deutschland ihre Mitglieder zum Gedenken an die Opfer in Hanau und zu Gebeten auf. "Seit einiger Zeit sehen Muslime in Deutschland mit zunehmenden Sorgen die Entwicklung des rechten Terrors", hieß es. Die Gefahr für Demokratie in Deutschland nehme zu. "Wir hoffen und beten, dass rechtzeitige Maßnahmen eine Wiederholung dieser Ereignisse ausschließen werden", erklärte die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland mit Sitz in Frankfurt. (tmg/KNA)