Rainer Maria Woelki bei der Synodalversammlung
Sorge um Verrohung und Spaltung in der Kirche

Kardinal Woelki über Petitionen: Ich möchte keine Galionsfigur sein

Hat er die Zeichen der Zeit nicht verstanden? Oder ist er die letzte Bastion der Kirche in Deutschland? Mit Kardinal Rainer Maria Woelki beschäftigen sich aktuell gleich zwei Petitionen. Er selbst glaubt aber nicht, dass es wirklich um ihn geht – und will sich nicht vereinnahmen lassen.

Köln - 28.02.2020

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist angesichts mehrerer Petitionen zu seiner Rolle im Synodalen Weg und in der Kirche in Deutschland besorgt über ein "Auseinanderdriften von Positionen". In einem Interview gegenüber der deutschsprachigen Sektion der "Catholic News Agency" (Freitag) bezeichnete er die kontroversen Diskussionen über kirchliche Reformen zwar als einen "Ausdruck einer lebendigen Kirche". Zugleich gelte es aber, Spaltungen aufzuhalten. "Plakative Aktionen und Abstimmungen" verstärkten durch ihre Einseitigkeit derartige Spaltungen noch. Außerdem kritisierte der Kölner Erzbischof eine Verrohung im Ausdruck.

Derzeit werden auf der Onlineplattform "openPetition" Unterschriften für zwei gegenläufige Petitionen gesammelt. Während sich im Moment gut 1900 Unterzeichner für "Kritik an Kardinal Woelki" aussprechen, hat der Appell "Solidarität mit Kardinal Woelki" fast 2600 Unterschriften. Die Initiatoren beider Texte verwenden eine sehr deutliche Sprache. Die ablehnende Petition wirft dem Kardinal mit Blick auf seine Kritik am Synodalen Weg vor, die Zeichen der Zeit nicht verstanden habe. Sie bezeichnet ihn als "das Letzte, was wir in dieser so schwierigen Lage unserer Kirche gebrauchen können". Für die Unterstützer Woelkis ist der Synodale Weg "eine Mogelpackung und ein Irrweg". Die Kirche sei die Braut Christi, "nicht das Flittchen des Zeitgeistes".

Als Kardinal weltkirchlichen Konsens stark machen

Laut Woelki geht es bei den beiden Petitionen weniger um seine Person als um einen grundsätzlichen Richtungsstreit. Er betonte: "Ich möchte keine Galionsfigur sein – weder für das eine noch das andere Lager." Anstatt "übereinander abzustimmen", solle man lieber miteinander sprechen.

Mit Blick auf die Fortführung des Synodalen Wegs bekräftigte der Kardinal, weiterhin ein starkes Augenmerk auf den Aspekt der Evangelisierung zu legen. Als Kardinal der Weltkirche sei es seine Aufgabe, darauf hinzuweisen, dass es bei bestimmten Fragen eines weltkirchlichen Konsenses bedürfe. Zugleich verwies er auf Themen, bei denen bereits ein breiter Konsens herrsche wie eine Förderung von Frauen in Leitungspositionen und der Einrichtung einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit. (fxn)