Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm
Man halte sich schutzsuchende Kinder und Frauen mit Tränengas vom Leib

"Erbärmlich": Marx und Bedford-Strohm kritisieren Flüchtlingspolitik

Anstatt humanitäre Lösungen zu finden, halte man sich Männer, Frauen und Kinder, die Schutz suchen, mit Tränengas vom Leib: Kardinal Reinhard Marx und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm finden deutliche Worte zur EU-Flüchtingspolitik.

München - 10.03.2020

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Münchner Kardinal Reinhard Marx haben die europäische Flüchtlingspolitik als erbärmlich kritisiert. "Anstatt humanitäre Lösungen zu finden, bei denen alle Länder Europas Verantwortung übernehmen, hält man sich Männer, Frauen und Kinder, die Schutz suchen, mit Tränengas vom Leib", sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm am Dienstag nach einem Arbeitstreffen der evangelischen Kirchenleitung mit der katholischen Freisinger Bischofskonferenz am Montag.

"Es ist erbärmlich..."

"Es ist erbärmlich, was sich an der türkisch-griechischen Grenze derzeit abspielt", betonte Bedford-Strohm. Marx, der Vorsitzender der bayerischen Bischöfe ist, sagte: "Es geht nicht um eine unkontrollierte Grenzöffnung, sondern darum, die konkrete Not nicht aus den Augen zu verlieren." Bei ihrem Treffen zeigten sich die Bischöfe und Mitglieder der Kirchenleitung besorgt über die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser betreibe ein zynisches Spiel, indem er Menschen an die Grenze locke.

Die Kirchenvertreter verwiesen darauf, dass die muslimisch geprägte Türkei 3,7 Millionen Menschen aufgenommen habe. Dagegen sei es unverständlich, dass sich das christliche Europa weigere, 5.000 Kinder aufzunehmen, hieß es weiter. Nach der Öffnung der Grenze durch die Türkei harren Tausende Flüchtlinge an der griechischen Grenze unter schlimmen humanitären Bedingungen aus - darunter auch mehrere Tausend Kinder.

Am Montag hatte auch der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, "eine gewisse Verzagtheit" bei der Bundesregierung im Umgang mit der humanitären Krise an der griechisch-türkischen Grenze beklagt. In einem auf Facebook veröffentlichten Statement begrüßte der Vorsitzende der Migrationskommission der DBK den Beschluss des Koalitionsausschusses, dass Deutschland sich im Verbund mit anderen EU-Mitgliedsstaaten an der Aufnahme von kranken und besonders verletzlichen Kindern und Jugendlichen beteiligen wolle. Zugleich fordert er aber Deutschland und die EU auf, sich nicht der Verantwortung für die Geflüchteten in griechischen Lagern zu entziehen. Angesichts der hohen Zahl hilfsbedürftiger Schutzsuchender brauche es weitere "Schritte der Solidarität" sowohl für die Geflüchteten wie für Griechenland. (tmg/epd)