Gerd Bachner im Porträt
Dompropst setzte in seiner Amtszeit einige Akzente

Gerd Bachner wird 75: Der Hausherr des Kölner Doms geht in Ruhestand

Domschweizerinnen und eine Klanginstallation zu einer Videospielmesse: Dompropst Gerd Bachner schaffte es mehrfach, die Kölner Kathedrale in Szene zu setzen. Nun wird er 75 – und damit steht sein Ruhestand an. Doch er wird dem Dom erhalten bleiben.

Von Andreas Otto (KNA) |  Köln - 23.04.2020

Das hat noch keiner seiner Amtsvorgänger geschafft. Wenige Monate nach seiner Wahl zum Kölner Dompropst ließ sich Gerd Bachner auf ein Gänsehaut-Unternehmen ein: Mit Mitarbeitern der Dombauhütte kämpfte er sich über Leitern bis zur Spitze des Nordturms der Kölner Kathedrale in 157 Metern hinauf. Ein – auch im wörtlichen Sinne – Höhepunkt in der fünfjährigen Amtszeit Bachners, die zum Monatsende ausläuft. Der Geistliche wird am Donnerstag 75 Jahre alt und muss damit nach den Statuten des Domkapitels einem Nachfolger Platz machen.

Bachner blickt auf eine nicht allzu lange Amtszeit zurück. Aber in dieser hat er bedeutende Akzente gesetzt. Für Aufmerksamkeit sorgte er, als er im vorigen Jahr für die Aufsicht in der Kathedrale die ersten vier Domschweizerinnen vorstellte und damit eine jahrhundertealte Männerdomäne zu Fall brachte. Die Frauen seien eine Bereicherung für den Dom, so Bachner. Nicht nur Männer, sondern auch die Frauen sollten dazu beitragen, dass die Kathedrale mit ihren (in Nicht-Corona-Zeiten) täglich bis 20.000 Besuchern als "Ort des Willkommens und der Zuwendung wahrgenommen wird".

Bachners Hauptanliegen ist es gewesen, den Publikumsmagneten vor allem als Gotteshaus zu profilieren. Seine Devise: "Die Menschen mit Gott in Berührung bringen." Dem sollen nicht nur die von ihm eingeführten mehrsprachigen Durchsagen dienen, die in der Kathedrale zum Gottesdienst einladen. Der Dompropst startete spektakuläre Aktionen, um auf den religiösen Gehalt der Kathedrale hinzuweisen.

Im Mai 2019 stellte Gerd Bachner die ersten vier Kölner Domschweizerinnen vor.

So präsentierte er 2016 zur Spielemesse Gamescom die Laser-, Duft- und Klanginstallation "silentMOD". An drei Abenden konnten mehrere zehntausend Besucher erleben, wie das gotische Bauwerk mit Lichttunneln, elektronischer Musik und einem eigens kreierten Duft in Szene gesetzt wurde. So hätten junge Menschen den Dom auf neue Art als Ort des Glaubens und Quelle der Entspannung, Konzentration und Kraft erfahren können, so Bachner.

Auf ähnlich breite Resonanz stieß die Lichtkunst-Aktion "Dona nobis pacem" im September 2018, mit der das Domkapitel an das Ende des Ersten Weltkriegs 100 Jahre zuvor erinnerte. Bei einer Bewegtbild-Illumination leuchteten auf der Südfassade damalige kriegsverherrlichende Wörter wie "Hurra" und "Blitzsieg" auf – und Gegenbegriffe wie "Dona nobis pacem" (Gib uns Frieden), "Toleranz" oder "Respekt". Laut Bachner richtete sich die Installation auch gegen den Rechtspopulismus heute: "Köln – und auch Deutschland – steht für Frieden." Die Projektion der Medienkünstler Detlef Hartung und Georg Trenz wurde mit dem Lichtdesign-Preis 2019 ausgezeichnet.

Neben Highlights zähes Alltagsgeschäft

Neben den Highlights hatte es der Dompropst auch mit den Niederungen des zähen Alltagsgeschäfts zu tun, etwa mit dem gerade installierten Schutzgitter an der Nordseite der Kathedrale. Die mit der Stadt Köln seit Jahren geplante Neugestaltung der südlichen Domumgebung, die "Historische Mitte", stand nach seinen Worten "auf Messers Schneide". Erst Anfang April und damit im letzten Monat seiner Amtszeit unterzeichnete Bachner mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) den Vertrag, mit dem die gemeinsame Gesellschaft für das Bauprojekt gegründet wurde. Pläne sehen an der Stelle von Kurienhaus und Verwaltungsgebäude des Römisch-Germanischen Museums zwei Neubauten auf dem Roncalliplatz vor. Sie sollen die Verwaltungen von Dom, Dombauarchiv, Römisch-Germanischem Museum und Stadtmuseum sowie ein Cafe und das Stadtmuseum beherbergen.

Seinem Abschied sieht Bachner mit gemischten Gefühlen entgegen. Für den Dom hätte er noch viele Ideen, sagte er der "Kölnischen Rundschau". Dennoch befürwortet er die Altersbeschränkung. "Man kriegt ja oft selbst nicht richtig mit, wann der beste Zeitpunkt erreicht ist, um aufzuhören." Aber auch als Emeritus bleibt er dem Dom erhalten, nicht nur als Zelebrant. Vor Jahren initiierte Bachner geistliche Führungen durch den Dom, um dessen spirituelle Dimension erfahrbar zu machen. Diese Abendrundgänge in der geschlossenen Kirche will er auch künftig begleiten. Bachner: "Ich werde weiter als Seelsorger wirken."

Von Andreas Otto (KNA)