Ein Chor steht in einem Halbrund in einer Kirche
Fünf deutsche Knabenchöre wenden sich mit Appell an Politik

Domspatzen und Co.: Chöre sehen durch Corona ihre Existenz bedroht

Der monatelange Shutdown gefährde ein jahrhundertealtes Kulturgut: Fünf deutsche Knabenchöre sehen Corona-bedingt ihre Existenz akut bedroht. Daher wenden sie sich in einem gemeinsamen Appell an die Politik – mit klaren Forderungen.

Regensburg - 12.05.2020

Fünf bekannte deutsche Knabenchöre sehen sich durch Covid-19 in ihrer Existenz bedroht. Chorleiter und Manager appellierten am Montag in einer gemeinsam in Regensburg, Dresden, Windsbach, Augsburg und München veröffentlichten Erklärung an die politisch Verantwortlichen. Gebraucht würden klare Rahmenbedingungen und ein Zeitplan für die Wiederaufnahme des Probe- und Konzertbetriebs. Der monatelange Shutdown gefährde ein jahrhundertealtes Kulturgut.

Ausfall von Konzerten, lange Probenpause

Der Ausfall von Konzerten sei mit existenzbedrohenden finanziellen Einbußen verbunden, heißt es in der Erklärung. Die lange Probenpause bedeute, dass die Chöre nahezu vollständig wiederaufgebaut werden müssten. Online sei kein adäquater Ersatz möglich. Schulschließungen und die allgemeine Ungewissheit sorgten zudem dafür, dass sich kaum musikalischer Nachwuchs finden lasse. Bisher gebe es aber nicht einmal eine politische Aussage oder Entscheidung darüber, wann Proben wenigstens in kleinen Gruppen wieder möglich seien.

Den Angaben zufolge gibt es in Deutschland derzeit rund 30 Knabenchöre, die als städtische Eigenbetriebe, als Vereine, kirchliche Einrichtungen, GmbHs oder Anstalten des öffentlichen Rechts betrieben werden. Die ältesten von ihnen können sich auf eine mehr als 1.000 Jahre währende Tradition berufen. Die Erklärung wird getragen von den Regensburger Domspatzen, dem Dresdner Kreuzchor, dem Windsbacher Knabenchor, dem Tölzer Knabenchor und den Augsburger Domsingknaben.

Die Regensburger Domspatzen sind der wahrscheinlich älteste Knabenchor der Welt. Im Jahr 975 gründete der Regensburger Bischof Wolfgang eine eigene Domschule, die neben dem allgemeinbildenden Unterricht besonderen Wert auf die musikalische Ausbildung legte. Den Schülern war der liturgische Gesang in der Bischofskirche übertragen. Die Hauptaufgabe der Domspatzen liegt daher bis heute in der liturgischen Gestaltung der Gottesdienste im Regensburger Dom. Seit 1. September hat der Chor mit Domkapellmeister Christian Heiß einen neuen Chef. Er löste den langjährigen Leiter Roland Büchner ab. (tmg/KNA)