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Standpunkt

Dem deutschen Katholizismus fehlt es an Internationalität

Den Beitrag des Kölner Pfarrers Thillainathan auf katholisch.de findet Christoph Strack wichtig, da er die Kirche in Deutschland kritisch in den Blick nimmt. Doch nicht nur dem Katholizismus hierzulande fehle es an Internationalität, kommentiert er.

Von Christoph Strack |  Bonn - 22.06.2020

Vor Tagen hat Pfarrer Regamy Thillainathan auf katholisch.de einen wichtigen Text zum Thema Rassismus und zum Umgang der Kirche mit "diversity" geschrieben. Thillainathan nimmt zu Recht die Kirche in Deutschland in all ihrer wunderbar mittelmäßigen Bürgerlichkeit kritisch in den Blick.

Beim "Synodalen Weg", mahnt Thillainathan, sei von der bestehenden internationalen Prägung der Kirche in Deutschland mit Millionen Gläubigen anderer Sprache oder Herkunft wenig zu sehen und zu spüren: "Das Präsidium könnte weißer nicht sein. Nicht nur dort: Wo sind die schwarzen Menschen und PoC in den Vorständen des BDKJ und den Katholikenräten?" (Na, zumindest beim BDKJ hätte Thillainathan fündig werden können. 2012 kandidierte Nadine Mersch aus Paderborn, eine "Farbige", als BDKJ-Bundesvorsitzende. Sie unterlag. Aber sie ist vielfältig katholisch aktiv und gehört übrigens auch dem Synodalen Weg an.)

Der deutsche und auch der mitteleuropäische Katholizismus nimmt die Internationalität nicht wahr. Die "Katholizität". Das ist gewiss in den USA anders, wo Messfeiern oft ein buntes internationales Miteinander sind. Die Bischofskonferenz in Deutschland: eine Runde weißer Männer ohne eine Spur migrantischer vita. Derweil ist der Vorsitzende der US-Konferenz ein gebürtiger Mexikaner.

Ein toller Text von Thillainathan. Und doch stocke ich. "Die Verschiedenheit der Menschen, die sich einander ergänzen, sind in unserer Gottesebenbildlichkeit begründet. Das ist unsere zutiefst christliche Überzeugung", schreibt der Pfarrer. Und dann fragt mich ein Bekannter, den ich schätze, was denn mit Homosexuellen sei. Der Anteil von Schwulen und Lesben in der Bevölkerung ist ja nicht marginal. "Spiegelt sich das in unserer Kirche wider? Gerade jetzt müssen wir uns diese Frage gefallen lassen", schreibt Thillainathan.

Rassismus ist eine besonders schwere Form von Diskriminierung, eine Menschenrechtsverletzung. Kirche hat da Erfahrung. Wenn man von "diversity" redet, darf sie den Blick weiten. Auf Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe und Sprache, auf Menschen in ihrer sexuellen Identität: "…die Verschiedenheit der Menschen in unserer Gottesebenbildlichkeit". Sage niemand, Kirche gehe da mit gutem Beispiel voran. Das gilt für den Synodalen Weg, für die wissenschaftliche Theologie, für den Klerus, nicht nur in Köln. Kein Rassismus, keine Diskriminierung.

Und noch mal: Ich finde den Beitrag von Pfarrer Thillainathan auch in diesem Sinne wichtig und lesenswert.

Von Christoph Strack

Der Autor

Christoph Strack ist Leiter des Bereichs Religionen der Deutschen Welle.

Hinweis

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