Stempelset mit der Aufschrift "Kirchenaustritt".
EKD legt Jahresstatistik für 2019 vor

Auch in evangelischer Kirche dramatischer Anstieg der Kirchenaustritte

In der katholischen Kirche in Deutschland hat die Anzahl der Kirchenaustritte 2019 ihren bisherigen Höchstwert erreicht. Bei der evangelischen Kirche sehen die Zahlen nicht besser aus.

Hannover - 26.06.2020

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat im vergangenen Jahr rund zwei Prozent ihrer Mitglieder verloren. Wie aus der am Freitag in Hannover veröffentlichten Kirchenstatistik hervorgeht, gehörten Ende 2019 insgesamt 20,7 Millionen Menschen einer der 20 Gliedkirchen der EKD an. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von rund 25 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 21,14 Millionen Protestanten. Zurückzuführen ist der Rückgang nicht zuletzt auf die hohe Zahl an Austritten. Sie lag 2019 nach ersten vorliegenden Zahlen mit etwa 270.000 Menschen rund 22 Prozent über der des Vorjahres und erreichte wieder den bisherigen Spitzenwert von 2014.

"Die Gründe für die zuletzt erhöhten Austrittszahlen will die evangelische Kirche in einer eigenen Studie erforschen", kündigte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm an. Diese solle vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD (SI) durchgeführt werden und den Zeitraum der vergangenen zwei Jahre in den Blick nehmen.

Im laufenden Jahr erwartet die EKD aufgrund der Corona-Pandemie einen deutlichen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen von - je nach wirtschaftlicher Entwicklung - zehn bis 25 Prozent. "Die EKD hat die Freiburger Studie sehr ernst genommen und schon vor Corona beschlossen, den Aufwand im Haushalt real um 30 Prozent bis 2030 anzupassen", so der Leiter der EKD-Finanzabteilung Carsten Simmer mit Blick auf die 2019 vom Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen vorgestellte Studie, nach der die beiden großen Kirchen bis 2060 etwa die Hälfte ihrer Mitglieder und ihrer Steuereinnahmen verlieren.

Kirchenaustrittszahlen bei Katholiken hoch wie nie zuvor

Die Austrittszahlen bei der katholischen Kirche in Deutschland waren 2019 so hoch wie nie zuvor. Insgesamt traten im vergangenen Jahr 272.771 Menschen aus der Kirche aus, wie aus der am Freitag veröffentlichten Kirchenstatistik der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht. Insgesamt ist die Zahl der Katholiken in Deutschland demnach sogar um über 400.000 Menschen gesunken. Die Anzahl der Katholiken 2019 betrug 22.600.371 (2018: 23.002.128).

Der Katholikenanteil an der Bevölkerung Deutschlands ging auf 27,2 Prozent zurück. 2018 waren noch 27,7 Prozent katholisch. "An den heute vorgelegten statistischen Zahlen 2019 gibt es nichts schönzureden", kommentierte der Vorsitzende der DBK, Bischof Georg Bätzing. Die hohe Zahl der Kirchenaustritte zeige, dass die Entfremdung zwischen Kirchenmitgliedern und einem Glaubensleben in der kirchlichen Gemeinschaft noch stärker geworden sei. Im Vergleich zum Vorjahr, dem Jahr mit den bisher zweithöchsten Austrittszahlen, haben sich die Austritte um 56.693 noch einmal deutlich erhöht. Der bisherige Höchstwert an Austritten stammt aus dem Jahr 2014. Damals kehrten 217.000 Katholiken der Kirche den Rücken.

Damit haben die beiden großen Kirchen in Deutschland im vergangenen Jahr erstmals insgesamt mehr als 500.000 Mitglieder durch Austritt verloren. Zusammen gehören 52,1 Prozent (43,3 Millionen) der 83,1 Millionen Bundesbürger einer der beiden großen Kirchen an. Zählt man Orthodoxe (letzte Angabe: rund 1,5 Millionen) und Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften (rund 900.000) dazu, liegt der Anteil der Christen bei 55 Prozent, 2018 betrug er 56 Prozent. (tmg/KNA)