Sr. Katharina Kluitmann
Ordenschristen müssten an ihrer Seite stehen

Ordensobere Kluitmann: Flüchtlinge und Missbrauchsopfer sind Propheten

Für DOK-Vorsitzende Katharina Kluitmann sind Geflüchtete und Opfer von Missbrauch Propheten. Papst Franziskus betitelte Ordenschristen ebenfalls so. Diese Aufgaben könnten sie laut Kluitmann jedoch nur an der Seite bestimmter Menschen vollziehen.

Ottmaring - 08.07.2020

Die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Katharina Kluitmann, sieht in Flüchtlingen und Missbrauchsopfern Propheten. Dies gelte auch für die Vergessenen und Unterdrückten, sagte die Franziskanerin bei einer Online-Tagung von 150 Ordenschristen und Mitgliedern geistlicher Gemeinschaften aus zehn Ländern und von etwa 35 Gruppen unterschiedlicher Konfessionen. Die Tagung fand laut Mitteilung der Organisatoren vom Mittwoch am Dienstag als Ersatz für die coronabedingt ausgefallenen "Ottmaringer Tage" statt, ein alljährliches ökumenisches Christentreffen in Ottmaring bei Augsburg.

Kluitmann verwies demnach auf die Schriftstellerin Nelly Sachs, die von Propheten gesprochen habe, die "einbrechen durch Türen der Nacht". Wenn Papst Franziskus Ordenschristen heute als Propheten bezeichne, sei diese Aufgaben nur möglich "an der Seite dieser Propheten der Nacht", eben etwa der Geflüchteten. Kluitmann ergänzte: "Die alten und neuen Charismen, die vielen Kirchen, sie brauchen einander, um sich zu ermutigen und aufzurütteln, sich anzustacheln und weiterzutreiben."

"Durch und durch" aus Menschen einlassen

Der Innsbrucker Theologe Roman Siebenrock forderte von der Kirche, dass sie sich "durch und durch auf Menschen einlässt und neue Formen von Gemeinschaften stiftet". Es gehe darum, "meine Überzeugungen hintanzustellen, um die Wahrheit, den Gott im Anderen zu erkennen und zu würdigen". In einer solchen Bereitschaft und der dann entstehenden Gesprächsatmosphäre könne man sich auch das Befremdliche mitteilen und es aushalten.

Der Ottmaringer Kulturwissenschaftler Herbert Lauenroth mahnte, die Kirche müsse sich rückbesinnen auf die Kraft des Ursakraments und sich bewusst werden, dass Minderheiten besonders schöpferisch sein könnten. Kirche solle sich durch Solidarität mit den Schwachen und Ausgegrenzten auszeichnen, mobil und missionarisch sein und dazu auch unbekannte Wege gehen.

Nicole Grochowina, evangelische Ordenschristin vom Leitungskreis der ökumenischen Initiative "Miteinander für Europa", sagte, Kirche sei laut Luther dem Wesen nach eine priesterliche Kirche – keine klerikale. Die Taufe begründe die Gleichheit aller und statte alle mit gleicher Würde aus. "Das bedeutet, nie auszuschließen, dass auch im Gegenüber Christus lebendig und erfahrbar ist." Dies sei ein tragfähiges Fundament für eine zukunftsfähige Ökumene. (KNA)