"Absolut kein Luxus"
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Bischof Tebartz-van Elst öffnet sein Haus für Neugierige

"Absolut kein Luxus"

Bistum Limburg - Das Interesse an der neuen, angeblich viel zu großen und teuren Residenz von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist enorm. Schon lange vor Beginn der ersten Führung an diesem Donnerstag um 10 Uhr sind die Eintrittskarten vergriffen. 20 Leute pro Führung werden eingelassen, mehr passen nicht in die teils kleinen Räume, wie Bistumssprecher Stefan Schnelle erklärt.

Limburg - 06.09.2013

Wegen der Enge sollten ursprünglich auch die Journalisten draußenbleiben. Für sie gab es schon vorher eine Besichtigung, und der Termin an diesem Donnerstag sollte "normalen" Besuchern vorbehalten bleiben. Doch schließlich ändern die Verantwortlichen ihre Meinung und Journalisten dürfen sich der wartenden Schar an die Ferse heften.

Die Neugier der Besucher ist groß, viel haben sie schon über den aufwendig sanierten Gebäudekomplex gegenüber dem Limburger Dom gelesen und gehört. Protz und Prunk wurden Bischof Tebartz-van Elst vorgeworfen. Doch wer im Inneren des Komplexes die sprichwörtlichen goldenen Wasserhähne erwartet hat, wird enttäuscht.

"Ziemlich bescheidenes Büro"

"Wo ist denn hier der protzige Bischofssitz?", fragt Carl-Heinz Wopperer. Der Radwanderer aus Bayern hat sich spontan der Führung angeschlossen. "Da sollte man sich mal die Residenz in Würzburg anschauen", fügt der 67-Jährige hinzu. Beim Gang durch die Amtszimmer müssen sich die Besucher mitunter zusammendrängen, teilweise ist es tatsächlich sehr eng.

"Das ist neu und gediegen, aber kein Luxus", findet Bruno Diedert aus Koblenz. Im Büro des Bischofs entfährt es ihm: "Das ist ziemlich bescheiden. Da ist ja mein Büro größer." Sein Eindruck verstärkt sich noch beim Besuch eines Zimmers mit Dachbalken über dem Büro. "Das ist ja ärmlich." Nun, ärmlich sicher nicht - und auch der Ausdruck bescheiden wäre eine Untertreibung. Die Ausstattung ist offenkundig nicht von Ikea. Die verwendeten Materialien machen einen edlen, eleganten und teuren Eindruck.

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Video: © Tobias Böcher

Bischof Tebartz-van Elst führt durch das neue Diözesane Zentrum in Limburg

Bischofs-Anhänger sind in der Mehrheit

Die Anhänger des Bischofs sind bei der ersten von zehn Führungen, die sich gestern bis 20 Uhr über den ganzen Tag verteilten, eindeutig in der Mehrheit. "Hier wurde viel Geld für etwas Schönes ausgegeben. Und das ist auch in Ordnung", findet Rita Beer aus Waldbrunn im Westerwald. "Das ist absolut kein Luxus."

Offene Kritik äußert bei der Führung nur ein Besucher. "Hier ist es prunkvoll", betont er und deutet auf den schön ausgestatteten Versammlungsraum im Keller unter der Kapelle. "Mit dem Geld hätte man auch etwas anderes anfangen können." Seinen Namen will der Kritiker nicht nennen. Er sei Verwaltungsrat einer Pfarrgemeinde in der Nähe von Limburg. Dort, an der Basis, regiere der Rotstift. "In den Gemeinden wird gespart. Bei einer Renovierung haben wir die Farbe selbst bezahlt, und zum Pinsel haben wir auch selbst gegriffen."

Tebartz-van Elst mischt sich unter die Besucher

Zum Ende der Führung mischt sich Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst selbst unter die Gruppe, schüttelt Hände und findet für jeden Besucher ein freundliches Wort. "Wir haben nichts zu verstecken", sagt er. Er habe schon viele Besucher und auch Journalisten empfangen, erklärt der 53-jährige Oberhirte. Das Lob der Besucher für sein neues Domizil freut ihn sichtlich. "Tragen Sie es weiter, seien Sie Brückenbauer", sagt er zu Mitgliedern seiner Diözese. Er sehe die Residenz als "Haus des Dialogs und der Gastfreundschaft".

Und genau das - ein Haus des Dialogs - soll die Residenz schon am heutigen Freitag werden, wenn ihm eine Abordnung aus seiner Diözese einen Offenen Brief übergibt, in dem seine Amtsführung kritisiert wird. Über 4.000 Kirchenmitglieder haben das Schreiben bislang unterzeichnet, das in Frankfurt am Main seinen Ausgang nahm. Empfangen wird der Bischof seine Kritiker in einem seiner vielen Besprechungszimmer. Dort kann sich die Delegation der Frankfurter Katholiken dann selbst ein Bild von der neuen Residenz machen. (stz/dpa)