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Standpunkt

Sternsinger müssen auf Schwärzen der Gesichter verzichten!

Die Diskussion um "Blackfacing" ist neu aufgeflammt. Roland Müller findet, dass nun endlich auch die Sternsinger auf das Schwärzen der Gesichter verzichten sollten – denn der Kerngedanke der Kinderhilfsaktion vertrage sich mit Rassismus nicht.

Von Roland Müller |  Bonn - 14.08.2020

Ich selbst war viele Jahre Sternsinger. Und gerade, weil mir das Sternsingen als größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder so viel bedeutet, wünsche ich mir, dass ein großer Missstand behoben wird: das Schminken der Gesichter mit schwarzer (und brauner) Farbe. Seit Facebook am Dienstag angekündigt hat, das sogenannte "Blackfacing" auf der Plattform als rassistischen Akt zu werten und entsprechende Inhalte zu blockieren, wird auch innerkirchlich wieder darüber diskutiert – eine Kontroverse, die mit großer Regelmäßigkeit aufflammt.

Das Kindermissionswerk, das die bundesweite Sternsingeraktion verantwortet, sieht in diesem Brauchtum kein Problem, da es eine positive Intention habe: Es wolle ausdrücken, dass der Sohn Gottes für die Menschen aller Erdteile auf die Welt gekommen sei. Das stimmt zwar inhaltlich und genau wegen dieser positiven Grundaussage wurde im Spätmittelalter damit begonnen, den Heiligen Drei Königen die stereotypen Hautfarben der Einwohner der damals bekannten drei Kontinente zuzuschreiben. Auf die Bibel kann sich diese Tradition allerdings nicht berufen – und damit auch nicht auf die Intention, die Weisen aus dem Morgenland möglichst "realistisch" darzustellen.

Heute leben wir in einer multiethnischen Gesellschaft, in der wir Vertreter von Menschen mit schwarzer Hautfarbe fragen müssen, ob die Praxis des Gesichtsschwärzens auf sie verletzend wirkt. Und in der Tat sehen viele "people of color" vor allem die negative Seite dieses Brauchs. Es wirkt auf sie als Betroffene unabhängig von der Intention verletzend und muss deshalb aufhören. Bei einem Diskriminierungsvorwurf wie diesem sollte gerade ein kirchliches Hilfswerk auf die Meinung derer hören, die davon betroffen sind und darunter leiden.

Gott sei Dank verzichten seit einigen Jahren nicht wenige Gemeinen auf diese Praxis und fahren meines Wissens ganz gut damit. Das verwundert mich nicht, denn wahre Sternsinger wollen niemanden diskriminieren, sondern das genaue Gegenteil: Kindern auf aller Welt ohne Unterschiede helfen. Das ist der Kern des Sternsingens und nicht die Fokussierung auf die Hautfarbe. Dass die Diskussion um das "Blackfacing" in der Kirche jedoch nur sporadisch geführt wird, liegt auf der Hand: Schließlich kommen in den deutschen Bistümern Gläubige mit Migrationshintergrund und anderer Hautfarbe allermeistens nur am Rand vor.

Von Roland Müller

Der Autor

Roland Müller ist Redakteur bei katholisch.de

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