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Für einen neuen DBK-Sekretär müssen alle ihre Komfortzone verlassen

Einen "Sekretär (m/w/d)" sucht die Deutsche Bischofkonferenz – erstmals per Annonce. Es wirke so, als wären die Bischöfe wirklich bereit für etwas Neues, beobachtet Joachim Frank. Jetzt brauche es aber auf beiden Seiten des Bewerbungstisches Bewegung.

Von Joachim Frank |  Bonn - 19.08.2020

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"Weißt du, ob sie würdig sind?" So lautet in der Weiheliturgie die Frage des Bischofs an den Verantwortlichen für die Ausbildung der Kandidaten für das Diakonen- oder Priesteramt. Weißt du, ob sie fähig ist? Darum scheint es bei der Auswahl jener Person zu gehen, die künftig den Posten des Sekretärs der Deutschen Bischofskonferenz besetzen soll. Erstmals in der Geschichte suchen die Bischöfe geeignete Kandidaten per Stellenanzeige. Und erstmals in der Geschichte ist nicht von vornherein ausgemacht, dass die Person der Wahl ein Priester und damit ein Mann sein muss: "Sekretär (m/w/d)", steht im Text der Annonce.

Es gibt Indizien dafür, dass dies mehr ist als eine antidiskriminierungskonforme Klausel, mit der man sich gleich von vornherein arbeitsrechtlichen Ärger und etwaige Klagen vom Hals halten möchte. Es wirkt so, als wollten die Bischöfe tatsächlich einmal ausprobieren, wie das so gehen könnte mit diesem merkwürdigen Idoneitätsprinzip, das sich an dem/der Besten orientiert und nicht an der Weihegnade oder an der Gunst des Vorsitzenden. Ein Hauch von freier Marktwirtschaft weht durch die Kirche in Deutschland. Kriterien wie Kompetenz und Leistung stehen im Raum. Und natürlich liegt auch eine Prise Gender in der Luft, nachdem der langjährige Amtsinhaber, Pater Hans Langendörfer, nicht nur halblaut über eine Frau als Nachfolgerin geredet hat.

Damit der Ruf nach mehr Frauen in Führungspositionen der katholischen Kirche aber nicht bloß eine öffentlichkeitswirksame Akklamation ist, die dann im gewohnten Klagegesang vom Ausbleiben geeigneter Kandidatinnen endet, braucht es zweierlei: Bei Bischof Bätzing, der das Vorschlagsrecht hat, den ehrlichen Willen zur Suche nach den qualifizierten Katholikinnen – und bei eben diesen die Bereitschaft, sich aus der einen oder anderen Komfortzone in Bistumsverwaltungen, Akademien, Universitäten oder auch Wirtschaftsunternehmen herauszubegeben. Ausflüchte wie "Ich bin doch nicht lebensmüde" gelten jetzt nicht – wobei dieser Satz nun von einem Mann stammt, der Sekretär könnte.

Der Frauenverband kfd und die Basisinitiative Maria 2.0 rufen Frauen dazu auf, sich auf die Langendörfer-Nachfolge zu bewerben. Dass die kfd-Spitze allerdings allein die Ausschreibung der Stelle in geschlechtsneutraler Formulierung "mit freudigem Erstaunen" quittiert, zeigt unfreiwillig auch, wie sehr kirchliche Lebenswirklichkeiten der gesellschaftlichen Realität hinterherhinken. Selbstverständlichkeiten zu loben, ist eigentlich eine pädagogische Maßnahme, die Kinder subtil zum Richtigen und Guten anhält. Mal sehen, ob 2020/21 für die Bischöfe eine Zeit des "Coming of Age" wird, bekanntlich eine spannende Phase der Entwicklung.

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger" und der "Mitteldeutschen Zeitung". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP). Die GKP verleiht mit der Deutschen Bischofskonferenz und dem Katholischen Medienverband alljährlich den Katholischen Medienpreis.

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