Gordon Sobbeck im Portrait
Starke Einnahmeverluste im Erzbistum erwartet – Einschnitte bei Immobilien

Kölner Finanzdirektor: Müssen uns von Kirchengebäuden trennen

Auch das Erzbistum Köln rechnet mit starken Einnahmeverlusten durch die Corona-Krise. Finanzdirektor Gordon Sobbeck sieht daher besonderen Handlungsbedarf hinsichtlich der kirchlichen Immobilien.

Köln - 03.09.2020

Der Finanzdirektor des mitgliederstärksten deutschen Bistums, Gordon Sobbeck, geht von starken Einnahmeverlusten der Kirchen in der Corona-Krise aus. "Im Worst Case rechne ich für 2020 im Erzbistum Köln mit einem Minus von zehn Prozent, das wären bei 685 Millionen Euro Kirchensteuereinnahmen knapp 70 Millionen Euro", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag). Sparmöglichkeiten sieht er besonders bei Immobilien.

Der derzeitige Einbruch der Wirtschaftskraft schlage massiv auf die Kirchen durch, hinzu kämen die absehbaren Verluste durch die sinkenden Kirchenmitgliederzahlen, sagte Sobbeck. "Es ist besser, jetzt zu reformieren, als später nur noch zu reagieren." Am dringlichsten seien Einschnitte bei den Immobilien: "Wir müssen uns auch von Kirchengebäuden trennen", erklärte Sobbeck. "Wenn eine Kirche kaum noch genutzt wird und die Gemeinde keinen Bedarf mehr dafür sieht, warum sollen wir nicht erwägen, sie in ein Caritas-Haus, ein Seniorenzentrum oder eine Schule für Pflegeberufe zu verwandeln?"

1.200 Kirchen und Kapellen

Im Erzbistum gebe es allein 4.600 Gebäude, davon 1.200 Kirchen und Kapellen, größtenteils denkmalgeschützt. Gegenwärtig erfasse und bewerte man alle Immobilien, "um zu entscheiden, wovon wir uns trennen". Der Finanzchef, der nach dem Bauskandal im Bistum Limburg dessen Finanzen offenlegte, sieht die derzeitige Krise auch als Katalysator für überfällige Reformen. "Nur wenn wir den Mut haben, uns einzugestehen, dass wir schrumpfen, bleiben wir handlungsfähig."

Das Erzbistum Köln steht vor einer einschneidenden Strukturreform. Aus den derzeit rund 500 Pfarreien, die in 180 je von einem Pastoralteam geleiteten Seelsorgebereichen organisiert sind, sollen in den kommenden zehn Jahren 50 bis 60 Pfarreien mit jeweils mehreren Gemeinden werden. Das zentrale Beratungsgremium von Kardinal Rainer Maria Woelki, der Diözesanpastoralrat, sprach am Freitag und Samstag in Köln über die Pläne. Demnach sollen Laien in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen. Die Pfarreileitung soll jedoch - gemäß einer Instruktion aus dem Vatikan - bei einem Priester bleiben. (tmg/KNA)