Bischof Georg Bätzing
Kritik am Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidbeihilfe

Bischof Bätzing dankt Teilnehmern am "Marsch für das Leben"

Der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing dankt den Teilnehmern am "Marsch für das Leben" für ihr "ungebrochenes Engagement". Zugleich kritisiert er das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidbeihilfe.

Bonn - 11.09.2020

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, sieht das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidbeihilfe mit Skepsis. "Die christliche Grundhaltung weist in eine andere Richtung", sagte er in einem am Freitag in Bonn veröffentlichten Grußwort. Bätzing äußerte sich im Hinblick auf den "Marsch für das Leben" am 19. September.

Das Urteil vom Februar ermögliche "gewissermaßen" eine Verfügung über das eigene Lebensende, so der Limburger Bischof. Krankheit und existenzielle Nöte könnten dazu treiben, in der Selbsttötung "einen Weg 'autonomen Sterbens' zu sehen". Christen sähen dagegen die menschenwürdige Antwort auf Krankheit und Leid darin, "einander beizustehen, physische wie seelische Schmerzen zu lindern und vor allem in Angst und Einsamkeit den Trost Gottes zuzusprechen", betonte Bätzing. "Das Leben behält in jeder Situation - auch in scheinbarer Ausweglosigkeit - seinen Sinn durch die Gewissheit, dass Gott es in seiner Hand hält und es von der Dunkelheit zum Licht führen will."

Dank an Teilnehmer vom "Marsch für das Leben"

Das Bundesverfassungsgericht hatte das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Suizidbeihilfe außer Kraft gesetzt und mit seinem Urteil einer Liberalisierung der Suizidhilfe den Weg geebnet. Die Verfassungsrichter postulierten damit ein weit reichendes Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben.

Bätzing dankte den Teilnehmern am "Marsch für das Leben" für ihr "ungebrochenes Engagement". Er verwies zugleich auf die "Woche für das Leben", die beide Kirchen jährlich gemeinsam durchführen. Im kommenden Jahr solle dabei erneut "die wertvolle Arbeit der Palliativversorgung" im Mittelpunkt stehen. Die "Woche für das Leben" findet vom 17. bis 24. April 2021 statt.

Die Corona-Pandemie führe eindringlich vor Augen, "wie verwundbar und schutzbedürftig der Mensch ist", fügte Bätzing hinzu. Das Erleben der Zerbrechlichkeit des eigenen Daseins motiviere viele Menschen zu einer neuen Solidarität gegenüber älteren und kranken Mitmenschen. Der Bischof dankte auch Ärzten, Pflegekräften und Seelsorgern, die sich bisweilen gesundheitlichen Risiken aussetzen, um anderen zu helfen: "Durch ihren Einsatz kann uns bewusster werden, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist, das nie seinen Wert verliert und um das es sich zu kämpfen lohnt." (KNA)