Bischof Bätzing: Sehnsucht nach guter alter Zeit hilft Kirche nicht
DBK-Vorsitzender warnt vor Erstarrung und "Selbstverholzung"

Bischof Bätzing: Sehnsucht nach guter alter Zeit hilft Kirche nicht

Der guten alten Zeit nachtrauern? Wer so denkt, verhindere einen Blick in die Zukunft, so der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing. Zwar halte die Bibel viel von Kontinuität und Treue – etwas anderes sei jedoch noch wichtiger.

Fulda - 22.09.2020

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat die katholische Kirche vor Erstarrung und "Selbstverholzung" gewarnt. In der gegenwärtigen Krise der Kirche neigten viele Katholiken zur Sehnsucht nach der guten alten Zeit. Diese Haltung lähme und verhindere den Blick nach vorn, sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Dienstagabend im Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda.

"Es gibt in unserer Kirche die Gefahr der Selbstverholzung", sagte er. "Denken und wollen, was wir immer gedacht und gewollt haben. Tun, was wir immer getan haben." Da wundere es nicht, "dass um uns herum so wenig Lebendigkeit blüht, wenn wir doch offensichtlich auf dem Holzweg sind".

Die Bibel halte viel von Kontinuität, Treue und Verlässlichkeit, fügte Bätzing hinzu. "Aber offensichtlich hält sie noch mehr von Wachstums- und Weggeschichten; sie zeigt nicht selten sogar eine Vorliebe für Veränderung aus Brüchen und Aufbrüchen heraus, wenn es dem Heil der Menschen dient." Auch die Kirche könne sich und Gott nur treu bleiben, wenn sie neu zu denken und zu handeln lerne, "um mit den Menschen und an ihrer Seite nach echter Freiheit zu streben".

Nuntius: Brauchen Mentalitätswechsel und Umkehr

Der Apostolische Nuntius Nikola Eterovic betonte in seinem Grußwort anlässlich der Herbstvollversammlung, wie wichtig angesichts der Corona-Pandemie ein gutes Gesundheitssystem in den Ländern, die Sorge gefährdeter, insbesondere alter Menschen sowie der Schutz der Umwelt sei. Um all dies zu bewahren, sei ein "Mentalitätswechsel" notwendig, so der päpstliche Botschafter. Zudem "braucht es unbedingt auch die Umkehr, zu der Jesus Christus vor allem die Christen aufruft. Es geht um unsere Art zu sein, zu leben und zu handeln und um die Verkündigung des Evangeliums des Lebens und den Liebesdienst am Nächsten". Die Corona-Krise rücke den Tod in den Vordergrund – "jene Wirklichkeit, die unsere säkularisierte Gesellschaft an den Rand zu drängen sucht", so der Erzbischof. Deshalb sei die Botschaft Jesu nach wie vor aktuell. Er bedankte sich außerdem bei den Priestern, "die in der Zeit der Pandemie Wege und Möglichkeiten gefunden haben, den Gläubigen, die ihrer pastoralen Sorge anvertraut sind, nahe zu sein".

Von Dienstag bis Donnerstag tagen die Bischöfe in Fulda am Grab des heiligen Bonifatius. Neben der Ökumene, dem Synodalen Weg und der Corona-Krise wollen sie auch über das Prozedere bei den Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer sprechen. Wegen der Corona-Pandemie tagt die Vollversammlung unter deutlich geänderten Bedingungen und wurde von vier auf drei Tage verkürzt. Die Vollversammlung findet erstmals unter Leitung von Georg Bätzing statt, der bei der vergangenen Frühjahrsvollversammlung zum Vorsitzenden gewählt wurde. (mpl/KNA)