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Die Messe im Livestream und das Brot zu Hause brechen: Warum nicht?

Bischof Franz-Josef Overbeck sagt: Wenn Gläubige während Streaming-Messen zu Hause das Brot brechen, bestehe die Gefahr der Verwechslung. Dabei böten solche rituellen Handlungen auch Chancen, glaubt Björn Odendahl.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 25.09.2020

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Gottesdienste im Fernsehen oder gar im Internet waren lange Zeit nur Notlösung für diejenigen, die aufgrund akuter oder dauerhafter körperlicher Gebrechen die Heilige Messe nicht physisch aufsuchen konnten. Dann kam Corona – und blieb erst einmal. Die Zeit wird zeigen, ob diejenigen, die einst treue Kirchgänger waren, zurückkehren, oder die eigenen vier Wände samt Smart-TV, Laptop oder Tablet als Hauskapelle für sich etablieren.

Letzteres ist zu befürchten – wenn man von Furcht sprechen möchte. Auch Essens Bischof Franz-Josef Overbeck beobachtet, dass die Corona-Krise innerkirchlich wie ein Brandbeschleuniger gewirkt hat. Die, die nach Wiederöffnung der Kirchentüren sonntags in der Kirche sitzen, sind im Schnitt wohl noch einmal älter als sie es vor der Corona-Pandemie waren. Liegt es am mangelnden Glauben der Jüngeren? Die geringere Affinität zum Digitalen auf der Seite der Älteren dürfte wohl auch eine Rolle spielen.

Was aber bedeutet das nun mit Blick auf diejenigen, die vielleicht dauerhaft den Livestream der Präsenz im Gotteshaus vorziehen? Für Overbeck steht jedenfalls fest, dass Gläubige aktuell nicht viel Raum für Kreativität haben: Sie sollen Streaming-Messen nicht durch Rituale des Brotbrechens begleiten oder ergänzen, sagt er. Der Bischof sieht die Gefahr, dass zwei scheinbar ähnliche Handlungen, die nach katholischem Glauben etwas völlig Unterschiedliches seien, verwechselt würden.

So verständlich es ist, darauf hinzuweisen, dass die Wandlungsworte des Priesters virtuell wirkungslos sind, bleibt doch die Frage: Ist die Eucharistiefeier nicht mehr als Realpräsenz? Dabei geht es ebenso um das Gedächtnis des letzten Abendmahls Jesu, um Gemeinschaft (Communio) mit ihm und mit den anderen Gläubigen. Und es geht letztlich auch – ganz pragmatisch – darum, diese neue Form des Gottesdienstes im heimischen Wohnzimmer irgendwie "greifbar" zu machen. Gibt es also einen Platz für das Brotbrechen?

Die Corona-Krise hat die Menschen zu kreativen Hybridlösungen zwischen Digitalität und real Erfahrbarem inspiriert. Freunde treffen sich vor der Webcam zum Spielabend oder kochen "gemeinsam"; Arbeitskollegen trinken virtuell das Feierabendbier. Kann die Kirche sich also auf den bisherigen Livestream-Gottesdiensten ausruhen oder braucht es auch hier "Hybridlösungen", damit aus Zuschauern virtuelle Gottesdienstbesucher werden können? Das Brotbrechen zu Hause in zeitlicher Nähe zur Wandlung durch den Priester ist sicher nicht ideal. Gerade deshalb braucht es aber neue und kreative liturgische Formen. Gelingt das, können diese Angebote eine Chance sein, Menschen für die Kirche zu begeistern. Bleiben sie nur aus der Not geborene Ausnahmen, ist das Brotbrechen während der Livestream-Messe das geringste Problem der Kirche.

Von Björn Odendahl

Der Autor

Björn Odendahl ist Chef vom Dienst bei katholisch.de.

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