Impuls von Pastor Christian Olding
Ein oft herangezogenes Wort von Martin Buber lautet: "Erfolg ist keiner der Namen Gottes". Doch schaut man ins heutige Evangelium beschleichen einen ernsthafte Zweifel. Hält es Gott nicht ausdrücklich mit den Erfolgreichen, den Talentierten und Siegertypen?
Bestraft er nicht geradezu die Minderbegabten, die Zukurzgekommenen, die Mutlosen, die nichts haben und nichts vorweisen können? Wusste sich aber Jesus nicht insbesondere zu diesen gesandt? Ist das nicht ein Widerspruch? Druck und Angst und Hölle heiß machen, statt Erbarmen und Gnade?
1 Talent entspricht 6000 Denaren. Bedenkt man, dass der Monatslohn eines Arbeiters etwa 30 Denare betrug, erhält selbst der letzte Knecht vom Herrn fast ein Siebzehnfaches seines Jahresgehalts bar auf die Hand. Es besteht also kein Anlass auf das 'Mehr' der anderen neidisch zu sein.
Der Fokus im Gleichnis Jesu liegt also nicht so sehr auf den unterschiedlich verteilten Talenten, sondern auf der riesigen Summe, die jeder Knecht erhält. Vor allem ist es anvertrautes Geld. Keiner von ihnen hat es sich erwirtschaftet oder verdient. Sie haben es allesamt quasi geschenkt bekommen.
Der fatale Fehler des dritten Knechtes liegt für mich darin, dass er seinen Herrn fürchtet. Er registriert gar nicht, dass sein Herr großes Vertrauen in ihn setzt. "Er hatte Angst", heißt es im Evangelium. Vor lauter Angst vergisst er sein Talent, seine Geschicklichkeit und Fähigkeit. Er sieht gar nicht die ungeheuren Möglichkeiten, sondern ausschließlich das potentielle Scheitern.
Deshalb wählt er den Stillstand, statt den Einsatz. Er hat Angst, etwas falsch zu machen und geht auf Nummer sicher. Angst aber ist ein schlechter Berater. Sie blockiert, lähmt und hemmt die Initiative.
Für die beiden andern war es auch riskant, mit fremdem Vermögen umzugehen. Bei ihnen stand sogar noch mehr auf dem Spiel. Auch ihnen drohte das Scheitern. Dennoch hatten sie Mut und Vertrauen.
Ich bin mir sicher, selbst wenn sie am Schluss mit leeren Händen vor ihrem Herrn gestanden hätten, sie wären besser dran gewesen als der, der sein Geld vergraben hat.
Der springende Punkt in dem Gleichnis ist: Obwohl der Herr auch dem dritten Mann ein Talent anvertraut und in ihn enormes Vertrauen setzt, macht dieser noch nicht einmal den Versuch, vernünftig damit umzugehen und zu arbeiten. Mehr noch, er beantwortet das Vertrauen seines Herrn mit Misstrauen und Ängstlichkeit.
Was auch immer Gott mir anvertraut hat: investieren. Was auch immer unsere Möglichkeiten und Spielräume sind: Sie nutzen und was draus machen.
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 25,14–30)
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab.
Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine.
Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
Der Autor
Christian Olding ist Pastor in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.
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