Nikolaus mit Mundschutz
Lockdown-konforme Alternativen zum Hausbesuch

Wie der Nikolaus Corona trotzt

Aufgrund des Lockdowns ist ein klassischer Nikolausbesuch in diesem Jahr schwierig bis unmöglich. Doch einfach ausfallen lassen ist gerade in dieser komplizierten Zeit für viele Familien keine Option: Kirchliche Mitarbeiter haben sich Corona-konforme Alternativen überlegt.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 01.12.2020

Bräuche haben es in diesem Jahr schwer – Sankt Martin kann ein Lied davon singen. Am 6. Dezember steht mit dem Nikolaustag das Gedenken an einen weiteren äußerst populären Heiligen an, aus dessen Legende sich ebenfalls viele Rituale gebildet haben. Doch ein klassischer Hausbesuch oder ein Auftritt in einem Kindergarten ist wegen der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen schwierig bis unmöglich. Was also tun, damit der Nikolaus dieses Jahr nicht "ausfällt" und trotz aller Widrigkeiten seine Botschaft unter die Leute bringen kann?

Anfrage vom Gesundheitsamt

Julian Heese, der beim Bonifatiuswerk für die Aktionen rund um den heiligen Nikolaus verantwortlich ist, spürt bei den Menschen eine große "pastorale Not" in dieser Angelegenheit. In den vergangenen Wochen haben sich zahlreiche Kirchengemeinden bei ihm gemeldet und gefragt, wie man die Nikolaus-Aktion angesichts der Pandemie und des Lockdowns durchführen könne. Sogar ein Gesundheitsamt aus Bayern habe nach Vorschlägen gefragt, weil es selbst einige Anfragen von Nikolausdarstellern erhalten habe, so Heese. Das Bonifatiuswerk hat einige Ideen gesammelt und einem Leitfaden herausgegeben.

Die am leichtesten durchzuführende Möglichkeit ergibt sich aus dem Kalender: der Nikolaustag fällt in diesem Jahr nämlich auf den zweiten Adventssonntag. "Der Nikolaus kommt in den Sonntagsgottesdienst und führt mit dem Pfarrer eine Art Predigtgespräch", umreißt Heese eine mögliche Variante und fügt hinzu: "Alternativ kann er auch zum Schlusssegen kommen." Auch wenn der zweite Adventssonntag den Gedenktag des Heiligen aus Myra liturgisch eigentlich verdrängt – der Nikolaus dürfte an diesem Tag trotzdem Thema in den Gegemeindegottesdiensten sein, weil man am 6. Dezember kaum an ihm vorbeikommt. Für einen Nikolaus-Auftritt in der Sonntagsmesse spricht, dass es für Gottesdienste bereits erprobte Hygienekonzepte gibt.

Der Nikolaus inmitten von Kindergartenkindern – in diesem Jahr wird das nicht passieren.

Da aber nicht alle Gemeindemitglieder automatisch in den Gottesdienst kommen, lässt sich die Nikolausaktion auch ohne viel Vorlaufzeit und Aufwand auf der Straße durchführen. Ein Beispiel: Die Pfarrei kündigt kurzfristig an, dass der Nikolaus am 5. oder 6. Dezember (oder an einem anderen Tag) abends durch die Pfarrei läuft – wo genau, wird jedoch nicht bekannt gegeben. "Die Kinder können ihm dann 'zufällig' draußen begegnen und im Pfarrbüro Bescheid geben, dass sie ihn entdeckt haben", so Heese. Dafür könnten sie dann etwa mit einem Schoko-Nikolaus belohnt werden. Das Ganze geht auch mit "Anmeldung": Die Eltern erkundigen sich beim Pfarramt, welche Route der Nikolaus läuft und wann er ungefähr in ihrer Straße ist. Er macht sich mit einer Glocke bemerkbar – die Kinder können ihn dann am Fenster beobachten. Natürlich "hinterlässt" der Nikolaus dabei auch etwas an den Wohnungs- oder Haustüren. Dafür braucht er die Hilfe der Eltern, die einen Teller mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade vorbereiten und diesen dann platzieren.

Julian Heese weist darauf hin, dass sich gerade diese Variante bestens mit einer kleinen Andacht in der Familie kombinieren lässt, in der man die Geschichten rund um dem heiligen Nikolaus aufgreifen kann. "Diese lassen sich nämlich wunderbar in die aktuelle Zeit hinein transportieren – schließlich ist der Nikolaus ein Musterbeispiel für 'kontaktloses' helfen." So hat er der Legende nach drei Goldklumpen in das Haus eines armen Mannes geworfen, damit dieser für seine drei Töchter eine stattliche Mitgift aufbringen konnte – und sie nicht in die Prostitution geben musste.

Eine Stablänge Abstand

Es gibt auch Corona-konforme Varianten, die nahe am "klassischen" Hausbesuch sind. So kann der Nikolaus etwa an die Wohnungstür einer Familie kommen. Die Kinder können dann auf Abstand seinen Worten lauschen. Das Ganze lässt sich genauso in den Garten verlagern: Dort wird ein Platz vorbereitet, zum Beispiel mit Fackeln, Kerzen und Sitzgelegenheiten. Zu einer vereinbarten Zeit kommt der Nikolaus dazu und beginnt sein "heiliges Spiel".

heilger Nikolaus von Myra

Der heilige Nikolaus ist ein Paradebeispiel für kontaktloses helfen. Das lässt sich in diesem Jahr besonders gut aufgreifen. Die Statue ist im Münchner Dom zu sehen.

Grundsätzlich gilt bei allen Auftritten: Der Nikolaus muss sich und andere vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Das bedeutet, unter dem Bart sollte ein Mundschutz getragen werden, so Heese. Weiße Stoffhandschuhe gehören ohnehin zum Equipment eines Darstellers. "Doch die wichtigste Regel lautet in diesem Jahr: 'Eine Bischofsstablänge Abstand' – mindestens!", betont Heese. Außerdem sollte der Nikolaus auf seinen Begleiter, den "Knecht Ruprecht", verzichten, um weitere Kontakte zwischen Menschen zu vermeiden.

Wenn jemand absolut kein Risiko eingehen will, kommt der Nikolaus auch digital. Das Bistum Essen etwa schickt unter dem Motto "Rent-a-clause" den Heiligen per Video-Schalte nach Hause, in die Kita oder ins Büro. Vier Schauspieler und ein Priester machen die Online-Begegnung mit dem Nikolaus möglich. Bei ihrem virtuellen Besuch erzählen die Darsteller die Geschichte des Heiligen, sprechen mit den Kindern, lassen sich Lieder und Gedichte vortragen und werfen auch einen Blick ins Goldene Buch.

Der Dienst steht für den Zeitraum vom 4. bis 7. Dezember zur Verfügung. Allerdings sind nur noch wenige der angeboteten Slots frei; für die übrigen gibt es die Möglichkeit, sich in eine Warteliste einzutragen. Wer sich auf der Internetseite der Aktion für einen Besuch angemeldet hat, bekommt anschließend die Zugangsdaten für den Video-Kontakt über Zoom oder – nach Absprache – einen anderen Anbieter. Der Nikolaus kann aber auch als Überraschung in eine bereits vereinbarte Videokonferenz eingeladen werden. Der Besuch ist zwar kostenlos, doch wer das Anliegen des Heiligen als "Geschenkebringer" unterstützen möchte, kann für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat spenden.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Auch Andreas Steinhauser, Gemeindereferent und Jugendseelsorger bei der Katholischen Jugendstelle Landshut, wird seine Nikolausdienste dieses Jahr digital anbieten. Allerdings nicht per Live-Schalte ins heimische Wohnzimmer, sondern mit vorproduzierten Videos. Für alle Kinder, deren Eltern sich angemeldet haben, hat Steinhauser einen einheitlichen Text vorbereitet und sich von einer Kirchenmusikerin ein Lied einspielen lassen. "Darüber hinaus erhält jedes Kind eine maßgeschneiderte persönliche Ansprache", betont er. Grundlage dafür ist der Lob- und Tadel-Zettel, den ihm die Eltern bei der Anmeldung übermittelt haben. Unterstützung bekommt der Jugendseelsorger von fünf Ortsgruppen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) aus der Landshuter Gegend: Dort werden einige Mitglieder ebenfalls in die Rolle des Video-Nikolaus schlüpfen.

Kinder haben Bewusstsein für die Situation

Der Nikolaus lebt eigentlich besonders von seiner physischen Präsenz. Ein Mann im Bischofsornat – das macht mitunter auch auf Erwachsene mächtig Eindruck. Dies auch digital hinzukriegen, sei natürlich schwierig, räumt Steinhauser ein. "Es ist aber von allen Möglichkeiten, dem Nikolaus zu begegnen, die ungefährlichste." Kindern sei die Corona-Situation bewusst, zudem hätten sie durch Video-Telefonie mit Freunden oder Großeltern bereits Erfahrung mit virtueller Präsenz. Außerdem bekommen die Kinder zuvor einen Brief, in dem Steinhauser als Nikolaus seinen "Besuch" ankündigt.

Rituale und Bräuche geben eine gewisse Kontinuität und Sicherheit. "Die Menschen sehnen sich gerade in dieser Zeit danach", betont Heese vom Bonifatiuswerk. Das händeringende Suchen der Pfarreien nach Alternativen zum klassischen Nikolausbesuch sei ein Beleg dafür. "Deshalb ist es so wichtig, deutlich zu machen, dass der Nikolaus auch in Corona-Zeiten nicht ausfällt." Viele Pfarreien und Einrichtungen beherzigen das und haben für sie umsetzbare Wege gefunden, um die Menschen gerade in komplizierten Zeiten wie diesen mit der Botschaft des heiligen Nikolaus in Berührung zu bringen.

Von Matthias Altmann