Das Gebäude der Katholischen Hochschulgemeinde Köln
"Wir wollen und können so nicht weiterarbeiten"

Konflikt um Positionspapier: KHG Köln stellt Forderungen an Erzbistum

Immer noch läuft eine arbeitsrechtliche Prüfung gegen Mitarbeiter der Kölner KHG wegen eines kritischen Positionspapiers. Nun stellen sie Forderungen ans Erzbistum Köln – und wollen wieder die Kontrolle über ihre Gemeinde zurück.

Köln - 10.12.2020

Im Konflikt um ein kritisches Positionspapier der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Köln haben die Mitarbeiter Forderungen an ihren Dienstgeber gestellt. In den am Donnerstag dem Generalvikariat übergebenen Punkten, die katholisch.de vorliegen, sprechen die Mitarbeiter von einer "immensen psychischen Belastung", die durch eine arbeitsrechtliche Prüfung des Erzbistums bestehe. "Wir können und wollen so nicht weiter arbeiten", so die Hochschulseelsorger. Sie betonen, dass gegen die Dienstanweisung, das Positionspapier "Wir wollen glaubwürdig bleiben" nicht im Programmheft für das diesjährige Wintersemester zu veröffentlichen, nicht verstoßen worden sei. Auf einer Doppelseite fand sich dort der Hinweis, dass Studierende das Internet nutzen sollten, wenn sie wissen wollen, um was es bei dem Positionspapier ginge. Im Zuge des Konflikts wurde auch die Webseite der KHG zeitweise vom Netz genommen. Im November hatte die Pastoralreferentin der KHG, Martina Schäfer-Jacquemain, gegenüber katholisch.de die Hoffnung ausgedrückt, mit dem Erzbistum über die Inhalte des Papiers ins Gespräch zu kommen. Das sei bis heute nicht geschehen, so Schäfer-Jacquemain am Donnerstag.

Seite 5 und 6 des Semesterprogramms, das den Konflikt eskalieren ließ.

Seite 5 und 6 des Semesterprogramms, das den Konflikt eskalieren ließ. Viele der Veranstaltungen sind mit dem Hinweis "fällt aus Protest aus" versehen.

Nun fordern die Mitarbeiter, die arbeitsrechtliche Prüfungen gegen sie einzustellen, das Positionspapier online und im Druck veröffentlichen zu dürfen, "um als katholische Kirche identitätsfähig sein zu können und in einen wissenschaftlichen Diskurs mit Studierenden treten zu können" sowie ein Ende der "kommissarischen Übergangsleitung" der KHG.

Die Gemeinde wird derzeit vom zuständigen Abteilungsleiter für Schulpastoral und Hochschulen, Peter Krawczack, geleitet. Der eigentliche Hochschulpfarrer Klaus Thranberend, der das Positionspapier 2019 noch mit unterzeichnet hatte, diese Unterschrift aber zurückgezogen hat, ist derzeit lediglich Rektor der Hochschulkirche und Schulseelsorger, seine Leitungsaufgaben als Hochschulpfarrer werden von Krawczack ausgeübt. Thranberend werde laut Informationen der KHG die Gemeinde in Kürze verlassen. Das KHG-Team fordert nun "Autonomie in inhaltlichen und strukturellen Entscheidungsfragen vor Ort" und die Möglichkeit, in der bisherigen Konstellation auch nach Weggang des Hochschulpfarrers weiterarbeiten zu können.

Webseite zeitweilig abgeschaltet

Mit Blick auf die Abschaltung der Webseite wird vom Generalvikariat eine Klarstellung gefordert, dass diese Abschaltung "vorsätzlich" gewesen sei und "eine einwöchige Nichterreichbarkeit mitten im digitalen Corona-Semester billigend in Kauf genommen wurde". Die verlangte Entfernung des Positionspapier habe nur aufgrund eines Krankheitsfalls nicht vorgenommen werden können. Durch die Abschaltung der Webseite wurde die Öffentlichkeit auf den Vorgang aufmerksam, nachdem die Evangelische Studierendengemeinde auf ihrer Webseite ihre Solidarität mit der KHG erklärt und das Papier veröffentlicht hatte.

Schaukasten der KHG Köln mit einem Schild: "Hier würde eigentlich unser Programmheft hängen, dies wurde uns verboten."

Schaukasten der KHG Köln mit einem Schild: "Hier würde eigentlich unser Programmheft hängen, dies wurde uns verboten."

Das KHG-Team hatte im Mai 2019 das Positionspapier "Wir wollen glaubwürdig bleiben" veröffentlicht. Darin heißt es, dass viele junge Menschen zwar auf der Suche nach Spiritualität, Glauben und Orientierung seien, dies aber immer weniger im Kontext der katholischen Kirche suchten. Als Gründe führt das Team der Hochschulgemeinde eine "Unantastbarkeit amtskirchlicher Deutungshoheit", "Engführung kirchlicher Sexualmoral", "religiöse Aufladung von Macht" und "mangelnde Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung" durch die Kirche an. Zu den Forderungen des Papiers gehört Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit für die Theologie, das Annehmen unterschiedlicher Lebens- und Glaubenswege, die Zulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern und eine wertschätzende Haltung "gegenüber Beziehungen von homosexuellen und heterosexuellen Paaren". (fxn)