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Weihnachten kann zum Horror werden – nicht nur wegen Corona

An das Weihnachtsfest werden oft völlig überzogene Erwartungen gerichtet, die es romantisch verklären. Für Ulrich Waschki sind die Beschränkungen in der Corona-Krise daher eine Gelegenheit, Weihnachten neu zu entdecken.

Von Ulrich Waschki |  Bonn - 11.12.2020

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Wir hatten auf ein fast normales Weihnachtsfest gehofft. Das sollte der Lohn für den Lockdown light sein. Doch daraus wird nun nichts. Wenn wir nicht aufpassen, gerät die Corona-Pandemie außer Kontrolle. Berichte von Ärzten und Pflegekräften aus Krankenhäusern sind erschütternd. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Recht, wenn er daran erinnert, dass es für die Corona-Toten überhaupt kein Weihnachten mehr gibt.

Für viele Menschen scheint Corona nach wie vor eine abstrakte Bedrohung zu sein. Doch es geht um Leben und Tod. Umso erstaunlicher ist es, wie sehr das Weihnachtsfest romantisiert und überfrachtet wird. Natürlich ist es schön, wenn sich die Familie trifft. Natürlich ist es schön, zusammen Lieder zu singen und lange und ausgiebig zu essen. Aber Weihnachten als Familienfest ist gleichzeitig eine romantische Überhöhung. Nicht nur im Corona-Jahr. Wie viele Menschen sind auch ohne Corona zu Weihnachten einsam? Wie viele Familien können sich gar nicht ertragen und treffen sich doch unterm Weihnachtsbaum? Es sind doch gerade die völlig überzogenen Erwartungen, die alle Jahr wieder in vielen Haushalten die Festtage zu Horrortagen machen.

In diesem Jahr muss es alles eine Nummer kleiner sein. Natürlich soll man etwa als Familie – wie in den Jahren vor und nach Corona aber auch – dafür sorgen, dass an so emotional aufgeladenen Tagen Menschen nicht allein gelassen werden. Das große Familien- oder Freundestreffen sollte aber auf den Sommer verschoben werden. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Man kann ja auch im kleineren Kreis die Weihnachtstage besonders gestalten und sie nicht einfach wie ein langes Wochenende verstreichen lassen. Eine echte Hilfe sind die vielen Entwürfe für Hausgottesdienste, die Bistümer und Gemeinden erarbeitet haben, oder auch der Hausgottesdienst im Gotteslob.

Wie oft sehnen sich viele danach, die Dinge ruhiger angehen zu lassen? Die bevorstehenden Feiertage werden nun viel ruhiger, als den meisten lieb ist. Aber das ist der Preis, den wir zahlen müssen, wenn wir Menschenleben retten wollen. Das erfordert auch, dass man zu Weihnachten und Silvester darauf verzichtet, den gesetzlichen Rahmen von Personen- und Haushaltszahlen auszuschöpfen. Selbst wenn die Regeln doch nicht mehr überall verschärft werden sollten.

Von Ulrich Waschki

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

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