"Nummernkonten": Vatikan nicht verantwortlich für Milliarden-Transfers
Überweisungen nach Australien bisher nicht erklärt

"Nummernkonten": Vatikan nicht verantwortlich für Milliarden-Transfers

Gut 1,4 Milliarden Euro sind über einen Zeitraum von sechs Jahren nach Australien geflossen – von Konten im Zusammenhang mit dem Heiligen Stuhl. Kirche und Behörden stehen vor einem Rätsel: Woher kommt das Geld – und wer ist verantwortlich?

Vatikanstadt/Brisbane - 04.01.2021

Die bisher unerklärlichen Milliarden-Transfers von vatikanischen Konten nach Australien könnten auf anonyme Nummernkonten zurückzuführen sein. Laut einem Bericht der australischen Tageszeitung "The Australian" vom Sonntag seien die von der Anti-Geldwäsche-Behörde Austrac festgestellten Geldflüsse wohl nicht auf Aktivitäten des Heiligen Stuhls oder anderer zum Vatikan gehörender Personen oder Institutionen zurückzuführen. Die Zeitung hatte Ende des vergangenen Jahres berichtet, dass seit 2014 2,3 Milliarden australische Dollar (1,4 Milliarden Euro) in 47.000 einzelnen Überweisungen von vatikanischen Konten nach Australien verschoben wurden. Öffentlich wurde der Vorgang durch eine parlamentarische Anfrage an Austrac, über die "The Australian" zuerst berichtet hatte.

Weder der Vatikan noch die australische Bischofskonferenz können sich die Geldflüsse erklären. Nach Bekanntwerden hatte die Bischofskonferenz erklärt, dass bei katholischen Einrichtungen des Landes keine entsprechenden Geldeingänge erfolgt seien, und angekündigt, Papst Franziskus um Aufklärung zu bitten. Insbesondere stünden die Gelder nicht im Zusammenhang mit Zahlungen an Betroffene sexualisierter Gewalt oder dem Prozess gegen den mittlerweile freigesprochenen ehemaligen Erzbischof von Sydney, Kardinal George Pell. Bereits zuvor hatte Austrac Geldflüsse aus dem Vatikan überprüft, die im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen Pell stehen sollen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gaben Vatikan-Quellen an, dass der Kirchenstaat nicht Ausgangspunkt der Überweisungen sei. "Es handelt sich nicht um unser Geld, weil wir gar nicht so viel haben", zitiert die Agentur ihre Quelle. Weder die vatikanische Güterverwaltung noch die Vatikanbank hätten derartige Überweisungen vorgenommen. Für den Unterhalt der Botschaft des Heiligen Stuhls seien seit 2014 etwa 800.000 Euro durch die Güterverwaltung angewiesen worden, auch die Kunden der Vatikanbank, größtenteils Orden, hätten deutlich geringere Beträge überwiesen. Der Haushalt des Vatikans umfasst ein jährliches Budget von etwa 330 Millionen Euro. Eine offizielle Stellungnahme des Heiligen Stuhls steht noch aus. (fxn)