Schachfigur
Standpunkt

Für eine klimaneutrale Kirche in Deutschland – bis 2030!

2018 kündigten die deutschen Bischöfe an, sich intensiver um das Thema Schöpfungsengagement zu kümmern. Doch die Zeit der Absichtserklärungen sei vorbei, kommentiert Simon Linder: Die Oberhirten sollten sich auf ein gemeinsames Ziel verpflichten.

Von Simon Linder |  Bonn - 12.01.2021

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Die Klimakrise ist da. Das Eis schmilzt schneller, der Meeresspiegel steigt stärker an, extreme Wetterereignisse nehmen zu. In Predigten wird die Zerstörung der Schöpfung immer wieder thematisiert. Dann wird appelliert, die Menschen sollten einen nachhaltigen Lebensstil pflegen, hier und da auf etwas verzichten, "mal das Rad anstelle des Autos nehmen". Doch durch solche Appelle an die Eigenverantwortung, die wir auch aus der Politik kennen, lassen sich die Klimaziele offensichtlich nicht erreichen. Die Krise ist ein systemisches Problem, deshalb muss sie systemisch gelöst werden.

Dass manche Menschen in der Kirche sowie in Parteien, die sich christlich nennen, Engagement für den Klimaschutz als "Ersatzreligion" abtun, kann nur verwundern. Mit dem biblischen Auftrag, sich die Erde untertan zu machen, wurde uns eine Verantwortung übertragen. Wir müssen die Schöpfung bewahren – also im besten Sinne konservativ sein.

Vorreiter unter den deutschen Diözesen ist das Erzbistum Freiburg, das bis 2030 klimaneutral werden will. Hier arbeitet ein ganzes Referat am Erreichen des Ziels. In manchen anderen Diözesen kümmern sich lediglich Teilzeitkräfte um Klimaschutz, andernorts wurde noch nicht einmal eine zuständige Person benannt.

Dabei hat die Deutsche Bischofskonferenz im September 2018 erklärt: "Wir Bischöfe werden regelmäßig über den jeweiligen Stand des Schöpfungsengagements in den (Erz-)Diözesen berichten, um darüber zu reflektieren, uns anzuspornen und noch besser zu werden. Einen ersten Bericht legen wir in drei Jahren vor." Also diesen Herbst! Mit Handlungsempfehlungen und Absichtserklärungen wird sich dann niemand mehr zufriedengeben.

Die deutschen Bischöfe könnten sich gemeinsam verpflichten, in allen Diözesen bis 2030 klimaneutral zu sein. Noch ist genug Zeit, um einen Fahrplan mit Zwischenzielen und externem Monitoring zu erarbeiten. Die Bischöfe dürfen ihr Tun nicht danach ausrichten, was heute möglich erscheint – sondern sie müssen prüfen, was getan werden muss, und das dann möglich machen.

Von Simon Linder

Der Autor

Simon Linder hat Katholische Theologie und Allgemeine Rhetorik studiert und arbeitet an einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt zum Thema "Streitkultur".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.