Kommission: Scharfe Kritik an Aufarbeitungsprozess im Erzbistum Köln
"Eindruck von Vertuschung stärker als Vertrauen auf Aufarbeitungswillen"

Kommission: Scharfe Kritik an Aufarbeitungsprozess im Erzbistum Köln

Der Eindruck von Vertuschung sei stärker als das Vertrauen auf einen echten Aufarbeitungswillen: Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat den Aufarbeitungsprozess im Erzbistum Köln scharf kritisiert.

Berlin/Köln - 15.02.2021

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat den Aufarbeitungsprozess im Erzbistum Köln scharf kritisiert. Dieser sei "mittlerweile schwer beschädigt" und ein negatives Beispiel für alle Verantwortlichen in den Kirchen und anderen Organisationen, in denen die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen geboten sei, erklärte die Kommission am Montag in Berlin. "Von außen betrachtet ist der Eindruck von Vertuschung beim Vorgehen im Erzbistum Köln stärker als das Vertrauen auf einen echten Aufarbeitungswillen", so die Kommission wörtlich. Eine Klärung gegenüber den  Betroffenen und der Zivilgesellschaft sei dringend geboten.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki steht wegen der Missbrauchsaufarbeitung in seinem Erzbistum derzeit stark unter Druck. Ein Gutachten der Münchner Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" (WSW) zum Umgang mit Missbrauchsfällen in der Erzdiözese ließ Woelki wegen "methodischer Mängel" nicht wie zunächst vorgesehen veröffentlichen. Ein neues Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke soll nun am 18. März veröffentlicht werden. Zudem wird dem Erzbischof vorgeworfen, selbst in die Vertuschung von Missbrauch verwickelt gewesen zu sein. Kritiker halten die bisherige Kommunikationsstrategie des Kardinals in großen Teilen für mindestens unglücklich.

"Erhebliche Zweifel an dem Willen einer ehrlichen Aufarbeitung"

Die Unabhängige Kommission kritisierte in ihrer Stellungnahme die Nichtveröffentlichung des WSW-Gutachtens. Diese Entscheidung wecke "erhebliche Zweifel an dem Willen einer ehrlichen Aufarbeitung". Besonders schwer wiege, dass sich einige Mitglieder des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln instrumentalisiert fühlten. "Sie hatten sich bereit erklärt, das Bistum bei der Aufklärung der Verbrechen der Vergangenheit und bei der Verbesserung der Prävention zu unterstützen. Sie haben dem Bistum damit ein Vertrauen entgegengebracht, das nun schwer enttäuscht wurde", so die Kommission, die in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer unabhängigen Aufarbeitung betonte.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs untersucht seit 2016 sämtliche Formen sexuellen Kindesmissbrauchs in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR ab 1949. Das Gremium ist beim Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung angesiedelt, Vorsitzende ist die Frankfurter Familienforscherin Sabine Andresen. (stz)