Theologe Halik: Christen können von Religionskritik profitieren
Sie müssten durch ein "Sperrfeuer"

Theologe Halik: Christen können von Religionskritik profitieren

Können Christen von Religionskritikern profitieren? Der Theologe Tomas Halik ist der Meinung: Ja! Zwar bedeute das ein "Sperrfeuer", Gott gehe dabei aber nicht verloren. Halik hatte auch noch einen Aufruf an die Christen parat.

Dresden - 27.02.2021

Der katholische Theologe und Bestsellerautor Tomas Halik hat die Christen zum Dialog mit Religionskritikern aufgerufen. Sie müssten durch deren "Sperrfeuer" gehen und es ernst nehmen, forderte Halik am Samstag bei einem Online-Kongress über gegenwärtige Formen religiösen Glaubens. Bei einem solchen Dialog gingen zwar "viele religiöse Sicherheiten und Illusionen verloren, nicht aber Gott selbst", betonte der Professor für Soziologie an der Karlsuniversität Prag. Der Glaube könne auf diese Weise wieder mehr zu einem "freien Akt" werden.

Halik rief die Christen auf, die Hoffnung auf eine Erneuerung der Kirche nicht aufzugeben. In der Geschichte seien immer wieder Zyklen des Wachstums, Niederganges und Wiederaufschwungs der Kirche zu beobachten. Entscheidend sei die Fähigkeit der Christen, mit anderen kulturellen Kräften in Kontakt zu treten und sich nicht an den Rand der Gesellschaft zurückzuziehen.

Die Erfurter Dogmatikprofessorin Julia Knop hatte zuvor betont, das Grundvertrauen in die Kirche sei auch bei hoch engagierten Katholiken wegen des Missbrauchsskandals "im Kern erschüttert". Die lange fehlende Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und geistlicher Manipulation in der Kirche habe die bereits seit Jahrzehnten geführte Debatte über Machtstrukturen, Weiheämter für Frauen und die Sexualmoral entscheidend verschärft und stelle den christlichen Glauben selbst infrage. Deshalb sei es falsch, wenn Kritiker als Alternative des Reformdialogs Synodaler Weg der deutschen Katholiken nur kirchliche Initiativen zur Vertiefung des Glaubens forderten.

Erfahrungen der "Abwesenheit Gottes"

Bei dem Kongress verwies der Professor für Systematische Theologie an der Universität Sibiu/Hermannstadt, Stefan Tobler, auf den Umgang von zeitgenössischen Gründerinnen geistlicher Bewegungen mit Glaubenskrisen. Als Beispiele nannte er Madeleine Delbrel (1904-1964), Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) und Chiara Lubich (1920-2008). Auch sie hätten teilweise lang andauernde Erfahrungen einer "Abwesenheit Gottes" gemacht.

Der zweitägige Kongress stand unter dem Leitwort "Was und wie, wenn ohne Gott?" Veranstalter waren die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen und die kirchliche Fokolar-Bewegung. Der Kongress sollte die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz thematisch fortführen, die sich auch mit der Kirchenkrise befasste. Zudem verstand sich der Kongress als Begleitveranstaltung des Synodaler Wegs. (KNA)