Tempelreinigung Jesu: Schwäbische Kehrwoche im Haus Gottes
Schwester Charis Doepgen über das Sonntagsevangelium

Tempelreinigung Jesu: Schwäbische Kehrwoche im Haus Gottes

Ausgelegt! - Das Stichwort "Tempelreinigung" setzt Schwester Charis Doepgens Fantasie in Bewegung: Angeführt von einem mürrischen Jesus zieht eine Putzkolonne emsiger Hausfrauen an begriffsstutzigen Jüngern vorbei – es gibt viel zu tun, gerade heute. Das passt nicht zu jedem Jesusbild.

Von Sr. Charis Doepgen OSB |  Kellenried bei Ravensburg - 06.03.2021

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Impuls von Schwester Charis Doepgen

Als die Anfrage von katholisch.de für den 3. Fastensonntag kam, war der erste Reflex, abzusagen – keine Zeit. Aber dann setzte das Thema des Sonntags die Fantasie in Bewegung: Tempelreinigung! Das ist doch das Top-Thema, das allen auf den Nägeln brennt. Ja, aktueller geht's nicht mehr! Dass wir eine solche Aktion Reformbedarf der Kirche nennen, ist da zweitrangig.

Wichtig ist, dass wir Jesus auf unserer Seite haben. Nicht nur das, er ist der Initiator! Und die Haus-Frauen, die darauf brennen mitzumachen, stehen längst bereit. Erfahrungen mit der "schwäbischen Kehrwoche" können da nur nützlich sein, denn auch bei ihr handelt es sich um ein ernstes Thema, dem sich kein Hausbewohner entziehen kann.

Wo da der Bezugspunkt ist? Ist doch klar: Als getaufte Christen wohnen wir alle unter dem einen Dach im Haus Gottes, aber nicht nur das, wir sind selbst Tempel Gottes (1 Kor 3,17). Also doppelte Motivation, für Ordnung zu sorgen.

Schauen wir auf Jesus. Er zog nach Jerusalem. "Im Tempel fand er…" – was hatte er wohl gesucht? Liturgie, Beter, eine Atmosphäre der Andacht… – nichts davon findet er! Stattdessen ein Treiben, wie es auf den Plätzen dieser Welt gang und gäbe ist. Seine Empörung muss riesig sein, denn bevor er ein Wort sagt, greift er zur Tat und macht eine Geißel.

Dass hier der Eifer für das Haus Gottes Regie führt, geht den Jüngern erst sehr viel später auf. Ihre Begriffsstutzigkeit wird in den Evangelien mehrfach erwähnt. Aber immerhin, die Szene bekommt durch ihre Erinnerung etwas Vorbildliches. Mutigen Gottesmännern kann sie den Rücken stärken.

Die Tische der Geldwechsler haben Jesus besonders gereizt. Man stelle sich vor, wie die stürzenden Tische krachen und die Münzen rollen… Wem fallen da nicht Schlagzeiten wie "Durchsuchungen bei der Vatikanbank" oder "Finanzskandal in der Diözese xy" ein?

Mit der Aktualisierung der Evangelien ist das so eine Sache. Ganz wörtlich haben wir's ja nicht so gerne. Und an vielen Stellen wäre das auch der falsche Weg. Die Juden wollen als Legitimation Jesu ein Zeichen. Das Johannesevangelium hat am Anfang des 2. Kapitels schon ein erstes Zeichen (V.11) geliefert, das Wunder auf der Hochzeit zu Kana.

Die Legitimation für die Tempelreinigung wird erst später "nachgeliefert" – es ist die Auferstehung Jesu. Wenn wir an sie glauben, müssen wir auch die Zeichenhaftigkeit der Tempelreinigung ernst nehmen. Unsere Kirche hat zu viele "Nebenkapellen" – ich meine Nischen, in denen sich dubiose Dinge ereignen können.

Das heutige Evangelium wirft auch die Frage nach unserem Jesusbild auf. Dabei geht es jetzt nicht darum, dass sich interessierte Kreise ihren Jesus nach Bedarf modellieren. Sondern gefragt ist die ganz persönliche und im Gebet lebendige Beziehung der Getauften. Gibt es neben Jesus, dem Zärtlichen, auch Platz für Jesus, den Zornigen?

Erstaunlich, dass gerade am Schluss dieser Perikope steht, es "kamen viele zum Glauben an seinen Namen". Heute wenden sich viele vom Glauben ab. Tempelreinigung bleibt angesagt.

Von Sr. Charis Doepgen OSB

Evangelium nach Johannes (Joh 2,13–25)

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen.

Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!

Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht: Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren. Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm: Welches Zeichen lässt du uns sehen, dass du dies tun darfst?

Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?

Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferweckt war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen war.

Die Autorin

Schwester Charis Doepgen OSB ist Benediktinerin in der Abtei St. Erentraud in Kellenried bei Ravensburg.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.