Kirche erlebe insgesamt "ein sowohl als auch"

Overbeck: Keine Suspendierung nach Segnung homosexueller Paare

Aktualisiert am 29.03.2021  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Priester, die trotz des Vatikan-Nein homosexuelle Paare segnen, sollen nach Worten des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck nicht suspendiert werden. Auch in der Weltkirche gebe es Stimmen, die nach vorne gehen wollten.

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Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von schwulen und lesbischen Paaren ist der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck gegen eine Suspendierung von Priestern, die dies trotzdem tun. Ein solcher Schritt komme nicht in Frage, sagte Overbeck am Sonntag im ZDF-heute-Journal. "Wir sind da schon seit Jahren in einem ganz lebendigen Dialog." Der Bischof betonte, es gebe nicht nur Stimmen in Deutschland, die nach vorne gehen wollten, sondern auch in der Weltkirche.

Insgesamt erlebe die Kirche "ein sowohl als auch", auch innerhalb der Gruppe der Bischöfe in Deutschland. "Das gehört dazu." Ein Forum für Dialog, Auseinandersetzung und konstruktivem Miteinander sei etwa hierzulande der katholische Reformprozess Synodaler Weg, betonte der Ruhrbischof.

Die Position des Vatikan zur Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren hatte scharfe Kritik und eine kontroverse Debatte nach sich gezogen. Overbeck hatte "eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität" gefordert. Die bloße Wiederholung der lehramtlichen "Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde in der Gegenwart nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schrieb er in einem unlängst veröffentlichten Brief an alle Pfarreien im Bistum Essen. "Menschen mit einer homosexuellen Orientierung fühlen sich gekränkt und verletzt."

 Homosexuelles Paar in einer Kapelle
Bild: ©KNA/Harald Oppitz (Symbolbild)

"Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig", sagte Bischof Franz-Josef Overbeck. Dieses "zarte Porzellan" dürfe man nicht zerbrechen.

Gerade in den Zuschriften vieler Seelsorger komme "eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine "Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei "als ein lebendiges Geschehen zu begreifen".

Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen, so der Bischof. "Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Dieses "zarte Porzellan" bei glaubenden Menschen "dürfen wir nicht zerbrechen".

Über 2.600 Seelsorger wollen trotzdem segnen

Die Glaubenskongregation hatte am 15. März erklärt, dass die katholische Kirche keine Vollmacht habe, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Zwar sei bei solchen Initiativen "der aufrichtige Wille" zu erkennen, "homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten", heißt es in dem Papier. Da aber die Verbindungen von homosexuellen Paaren nicht dem göttlichen Willen entsprächen, könnten sie nicht gesegnet werden.

In Deutschland wie in anderen Ländern gibt es erheblichen Widerstand gegen das Verbot. Am Samstag übergab der Würzburger Hochschulseelsorger Burkhard Hose in Bonn eine Unterschriftenliste mit bislang mehr als 2.600 Priestern, Gemeindereferentinnen, Pastoralassistenten und Diakonen, die homosexuelle Paare weiterhin segnen wollen, wenn diese das wünschen. Die Liste nahmen der Aachener Bischof Helmut Dieser und die familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Birgit Mock, entgegegen. Beide leiten das Forum zu Sexualmoral beim Synodalen Weg. (cbr/KNA)