Bertram Meier
"Oberflächliches Gerede" helfe den Menschen wenig

Bischof Meier: Unsere Kirchen wurden "leer gepredigt"

Wegen Corona sind die Gotteshäuser momentan vielorts leer. Von der Pandemie abgesehen, sei das kein Zufall, betont der Augsburger Bischof Bertram Meier. Das liege auch am "oberflächlichen Gerede" mancher Priester und Diakone.

Augsburg - 31.03.2021

Nach den Worten des Augsburger Bischofs Bertram Meier gibt es auch jenseits der Corona-Krise Gründe für die momentan leeren Kirchen. "Sie wurden auch 'leer gepredigt'", sagte Meier bei der Chrisammesse am Mittwoch im Augsburger Dom. Er hoffe, dass das aktuelle Bild nicht die Zukunftsprognose für die Kirche nach Corona sei. "Doch ganz ehrlich muss ich auch sagen: Von Corona abgesehen, sind unsere Kirchen nicht zufällig leer." Das "oberflächliche Gerede mancher Priester und Diakone" helfe den Menschen wenig.

Meier warnte zudem vor einer Überhöhung des priesterlichen Selbstverständnisses. Sie sei ein Grund für den "Missbrauch von Machtverhältnissen zwischen Klerikern und den ihnen anvertrauten Menschen". Die dem Priester durch die Weihe verliehene Vollmacht sei nicht identisch mit dem Anspruch Christi, Haupt der Kirche zu sein. "Sie ist übertragene Vollmacht, denn ohne das Fundament im Volk Gottes kann niemand seinen Dienst als Geweihter ausüben." Priester und Diakone seien "Werkzeuge, keine Kaste". Damit wolle er keiner "Entsakramentalisierung der Weihe das Wort reden, sondern einer Entsakralisierung von Amtsträgern, die nicht in allem, was sie tun und lassen, sakrosankt sind", so Meier. Denn sie blieben auch nach der Weihe Menschen.

Jeder Getaufte repräsentiert Christus

Der Augsburger Bischof rief dazu auf, sich an "die gemeinsame Würde und die Einheit aller in dem einen Volk Gottes zu erinnern". Jeder und jede Getaufte repräsentiere Christus. "Priester – und auch Diakon – wird man nicht für sich selbst, sondern immer für andere, für das Volk." Als Teil des Gottesvolkes verrichte der Prieste einen Dienst an der Gemeinschaft. "Sein Dienst besteht darin, möglichst viele Getaufte zu befä-higen, das Evangelium glaubwürdig zu bezeugen."

Gleichzeitig dankte der Bischof den Priestern seines Bistums für ihren Dienst seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr. "Neben der Verkündigung und dem Gottesdienst übertreffen viele von euch sich gegenseitig an Kreativität in Nächstenliebe und Caritas, um das Evangelium vom heilenden und tröstenden Gott den Menschen nahe zu bringen." Viele seien an die kirchlichen und sozialen Ränder gegangen, "aber auch an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit". Dabei wandte sich Meier besonders an die Seelsorger in Krankenhäusern und Seniorenheimen, die "sich nicht scheuen, selbst gefährdet zu werden".

Die Chrisammesse wird traditionell in der Karwoche gefeiert. Dabei werden die Heiligen Öle geweiht und anschließend an die Gemeinden verteilt, wo sie zur Spendung der Sakramente verwendet werden. (mal)