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Standpunkt

Die Segnungen richten sich nicht gegen die Glaubenskongregation

Das Nein war der Auslöser, die Segnungen sind aber nicht unbedingt ein Zeichen gegen die Glaubenskongregation, kommentiert Julia Knop. Stattdessen möchte die Aktion für Menschen heilsam sein, die von Kirche bisher nur mit Mitleid bedacht wurden.

Von Julia Knop |  Bonn - 10.05.2021

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In diesen Tagen sprechen zahlreiche katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger homosexuellen Paaren und Eheleuten Gottes Segen zu. Unter dem Hashtag #liebegewinnt vernetzen sich Gläubige, Gemeinden und Verbände und tauschen Ideen und Erfahrungen zur Gestaltung dieser Feiern aus. Eine Segenslandkarte gibt mit rund 100 verzeichneten Gottesdienstorten einen Eindruck davon, wo solche Liturgien öffentlich gefeiert werden können – und wo man das Licht der Öffentlichkeit scheut.

Das gemeinsame Datum, die Sichtbarkeit, die Vernetzung: natürlich hat das Signalwirkung. Die "Segnungsgottesdienste für Liebende" setzen ein Zeichen. Kein "hilfreiches Zeichen" allerdings, befand der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, zumindest aus kirchenpolitischer Sicht. Doch was ist hier hilfreich? Die Liturgien vom 10. Mai sind eher als Therapeutikum denn als Politikum zu verstehen. Ihr Signal richtet sich nicht zuerst an oder gegen die Glaubenskongregation. Die hatte bekanntlich in ihrem Schreiben vom 15. März 2021 im Gestus der Ohnmacht die Vollmacht der Kirche verneint, homosexuelle Paare zu segnen. Natürlich war das der Anlass. Aber das heutige Zeichen gilt in erster Linie denjenigen, die bisher aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von ihrer Kirche bestenfalls Mitleid erwarten durften (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357-2359), es aber bitte nicht als "ungerechte Diskriminierung" (Responsum, erläuternde Note) auffassen sollten, dass ihnen kirchlicher Segen vorenthalten wird. Um sie geht es am 10. Mai. Für sie sollen die Segnungsfeiern hilfreich und heilsam sein.

Und weil es um sie geht, setzen katholische Seelsorger und Gemeinden mit ihrer Segensbitte, ihrem Gebet und ihrer Verbundenheit ein Kontrastsignal kirchlicher Solidarität. Sie sind überzeugt, dass sie keine Vollmacht haben, Gottes Segen zu verweigern. Die Verletzungen, die Menschen im Namen und im Raum der Kirche erlitten haben, gehen ihnen an die Seele. Sie wollen etwas gut machen, weil ihnen schmerzlich bewusst ist, welche Wunden das römische Schreiben (neu) aufgerissen hat. Ihrer Kirche wollen sie ein freundliches, zugewandtes, glaubwürdiges Gesicht geben – trotz allem.

Von Julia Knop

Die Autorin

Julia Knop ist Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt.

Hinweis

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