Hochfest des Leibes und Blutes Christi erinnert an Einsetzung des Abendmahls

Fronleichnam oder Gründonnerstag? Twitter spottet über CDU-General

Aktualisiert am 04.06.2021  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Hat CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak Gründonnerstag und Fronleichnam verwechselt? Das haben ihm viele Twitter-Nutzer vorgeworfen – doch Ziemiak bleibt bei seiner Aussage: Fronleichnam erinnert an Gründonnerstag – und er hat gute Argumente.

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Der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat auf Twitter viel Spott geerntet für einen Tweet zu Fronleichnam, in dem er zutreffend schrieb, dass an dem Fest an das letzte Abendmahl erinnert werde. Hunderte teils sehr deutliche Reaktionen warfen dem Politiker vor, den Feiertag mit Gründonnerstag verwechselt zu haben. Wörtlich schrieb Ziemiak: "An Fronleichnam, dem 'Fest des heiligen Leibes und Blutes Christi', erinnern wir an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern am Abend vor seinem Tode. Ich wünsche allen einen gesegneten Feiertag." In den Reaktionen war unter anderem von "Halbdackelwissen" die Rede, außerdem wurden Forderungen erhoben, "das C aus dem Parteinamen zu streichen". Viele Kommentatoren warfen Ziemiak mangelnde religiöse Bildung vor.

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Am Freitag wies Ziemiak ebenfalls auf Twitter die Vorwürfe zurück. "Die Abarbeitung an meiner Formulierung hat dazu geführt, dass jetzt den meisten klar ist, wofür Fronleichnam und dessen bestehende Verbindung zu Gründonnerstag steht", erklärte der Generalsekretär. "Google funktioniert. Twitter auch", leitete Ziemiak einen Link auf das im Herder-Verlag veröffentlichte Lexikon der Zeitschrift "Gottesdienst" ein. Darin heißt es: "Die Wahl des Wochentags bezieht sich auf den Gründonnerstag als Tag der Einsetzung der Eucharistie."

Fronleichnam "feiert Gründonnerstag nach"

Fronleichnam wurde erstmals 1247 im Bistum Lüttich gefeiert und 1264 von Papst Urban IV. durch die Bulle "Transiturus de hoc mundo" zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Im ersten Satz der Bulle nimmt der Papst Bezug auf die Einsetzung der Eucharistie am Gründonnerstag: "Als unser Herr und Heiland Jesus Christus ehe er die Welt verlassen und zu seinem Vater zurückkehren wollte, am Abende vor seinem leiden mit seinen Jüngern das Abendmahl genossen hatte, setzte er das allerheiligste, kostbarste Sakrament seines Leibes und Blutes ein, in welchem er uns seinen Leib zur Speise, und sein Blut zum Trank gab", so die Bulle. Als Tagesevangelium ist die Einsetzung des Abendmahls aus dem Markus-Evangelium (Mk 14, 12–16.22–26) vorgesehen. Auch das Erzbistum Köln bezieht sich in seiner Erklärung auf den Gründonnerstag, der an Fronleichnam "nachgefeiert" werde: "Fronleichnam steht in enger Verbindung zum Gründonnerstag. An Fronleichnam, liturgisch das 'Hochfest des Leibes und Blutes Christi' genannt, feiert die katholische Kirche die Einsetzung der Eucharistie, also der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu", so das Erzbistum.

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Bereits an Christi Himmelfahrt sorgte ein Tweet der CDU selbst für Unmut: Ein Text aus dem Tagesevangelium wurde illustriert mit einer Darstellung der Himmelfahrt, der mit dem Parteilogo versehen wurde. Die Verknüpfung von religiöser Botschaft und parteipolitischer Botschaft wurde von vielen Twitter-Nutzern als Vereinnahmung des Christentums verstanden. Ziemiak hatte bei seinem Tweet zu Fronleichnam auf einen parteipolitischen Bezug verzichtet. Schon im vergangenen Jahr hatte es eine Twitter-Posse um Fronleichnam gegeben. Das ZDF hatte damals geschrieben, dass an dem Feiertag "viele ihrer Toten [gedenken]". Im ZDF-Beitrag selbst hieß es jedoch korrekt, dass "anders als der Name des Feiertags vermuten lässt", nicht des toten, sondern des lebendigen Jesus gedacht werde. (fxn)